Tips zur Kirchenbesichtigung

Seitenfenster in St. Peter und Paul, Durlach

Da sich unter meinen Lesern zunehmend auch Nichtchristen und/oder Menschen aus anderen Kulturkreisen befinden: Hier mal einige Hinweise, wie man sich in Kirchen verhält und warum es überhaupt interessant sein könnte, Kirchen zu betreten.

Zuerst die zweite Frage. Katholische Kirchen sind untertags meistens offen. (Oft aber nur eine der Seitentüren, nicht die Haupttür.) Wenn nicht grade ein Gottesdienst stattfindet, kann man drin rumlaufen und sie besichtigen. Viele Kirchen sind durchaus sehenswert, weil die Christen einiges Geld in die Kunst in den Kirchen investiert haben. Jetzt in der Weihnachtszeit (meist bis 2.2.) sind in vielen Kirchen auch hübsche Krippen aufgebaut. also Darstellungen der Geburt Christi. Und: Man hat dort seine Ruhe.

Wenn man eine Kirche betritt, dann nehmen die Herren bitteschön ihre Kopfbedeckung ab. Die Schuhe hingegen bleiben an den Füßen. Das Handy stumm, insgesamt bitte still sein, denn andere könnten beten. Und bitte nichts essen oder trinken. Bitte nur diskret photographieren und sich überhaupt unauffällig verhalten, eben um keinen, der betet, dabei zu stören. Man kann beliebig rumlaufen in dem Bereich, der für die Gemeinde vorgesehen ist, also wo die Sitzbänke sind. Bitte nicht in den vordersten Teil der Kirche gehen, wo die Stufen und quasi die „Bühne“ sind. Absperrungen (Gitter, Seile) respektieren. Kunstwerke nicht anfassen, eben wie in einem Museum. Man darf sich auch auf einen der Plätze auf eine Sitzbank setzen, auch wenn man nur ausruhen und nicht beten will.
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Hysterie

Ich hab dazu ja schonmal was geschrieben, und immer wieder juckt es mich in den Fingern, aber fast immer verkneife ich es mir. Aber manchmal, da wünsche ich mir echt Zustände wie damals vor fast 50 Jahren, als Demonstranten die Polizei foppten, indem sie im Weihnachtstrubel mit Paketen unter dem Arm herumliefen. 20 Jahre später konnten wir als Jugendliche uns nicht vorstellen, daß jemand Angst haben könnte, diese Pakete enthielten Bomben. Und heute? Heute genügt ein ganz normaler Brief an das Amtsgericht, bloß etwas dicker und ohne Absenderangabe. Also, wenn Ihr mal wieder Bomben verschickt: Schreibt irgendeinen Absender auf den Umschlag. Aber vielleicht wäre es doch sicherer, nur noch Postkarten mit der Post zu befördern?

Wann werden die ersten Schüler auf die Idee kommen, auf diese Weise Schulevakuierungen zu provozieren? Einfach einen „auffälligen“ Brief an’s Sekretariat schicken? So, wie ein an einer Straßenbahnhaltestelle liegengelassener Turnbeutel oder Rucksack den Verkehr erfolgreich stundenlang blockiert? Was wäre erst mit einem herrenlosen Koffer in einem Zug? – Oh, stop, das haben wir ja ständig im Eingangsbereich der ICE-Wägen. Da sind sie nicht gefährlich. Gefährlich sind sie nur an abgelegenen, menschenleeren Bahnsteigen. Weil Terroristen sind ja blöde und keineswegs auf Schadensmaximierung bedacht.

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Karlsruher Verkehrsbetriebe

Als ich 1991 nach Karlsruhe kam, war der Karlsruher Schienenverkehr grade am Expandieren. Nicht nur, daß ab 1992 die Zweisystemer fuhren (Linie „B“ nach Bretten). Nein, es gab auch wie selbstverständlich mindestens stündliche Fahrten auf allen Straßenbahnlinien, rund um die Uhr. Ich hab gelacht, als ich gehört hab, daß es in Berlin eine „Nachtruhe“ der Straßenbahn gibt. Aber: Diese Möglichkeit, jederzeit sicher, warm, trocken und leidlich komfortabel nach hause zu kommen, wurde in mehreren Schritten bis zur Unkenntlichkeit zusammengestrichen. Warum soll die „Stadt des Rechts“ sich auch attraktiv bspw. für Studierende darstellen? Sei’s drum, zumindest am Wochenende sollte man noch einigermaßen von A nach B kommen auch am späteren Abend. Dachte ich. Ich bin ja mittlerweile 46 und nicht mehr allzu oft nächtens unterwegs.

Wir hatten Firmenweihnachtsfeier, und ich wollte mit der 1 nach Durlach fahren, die um halb vier ab Marktplatz fährt. Da etwas Zeit war, lief ich von der Gartenhalle zunächst zum Marktplatz und dann bis vor zum Durlacher Tor und stieg erst dort zu. Ich sollte diese Haltestelle heute noch einmal wiedersehen . . .

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Medienzeitalter

Um das Jahr 1990 erfuhr ich von einem Projekt irgendeiner Landesbildstelle, Vorschulkinder an das Fernsehen und das Gesehen-Werden heranzuführen durch folgenden Versuchsaufbau: Die Kinder spielen, während sie sich selbst, aufgenommen durch eine Videokamera, auf einem Fernseher betrachten können. Eigentlich im Vergleich zum herkömmlichen Spiegel nur ein Pespektivwechsel und eben der Wegfall der Seitenvertauschung des Bildes, aber eben doch schon anders, weil dort, wo man das Bild sieht, nicht dort ist, wo die Kamera steht. Die kann zum Beispiel von oben filmen oder von einer anderen Seite des Raums, als Beobachteter muß man stärker abstrahieren. Die Übung sollte dem Erwerb von Medienkompetenz dienen.

Und als wir mit meiner Schulklasse in den 80ern in Bonn den Bundestag besichtigten, da verblüffte mich nachhaltig und bis heute, daß die meisten Sitze keine Tischfläche haben. Also keine Rede von Strom oder Netz, das war ja damals noch nicht so wichtig – aber daß da Menschen stundenlang sitzen und allenfalls Zeitunglesen können, weil sie keine Platte vor sich haben, auf der sie Schreibzeug ausbreiten könnten, das hat mich tief und unangenehm beeindruckt.
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Ende der Sondierungsgespräche

Ich hab keine Ahnung, welche Strategie dahintersteckt, daß die FDP sich gestern Abend verabschiedet hat – also ich nehme jetzt mal an, daß das mehr ist als trotziges Aufstampfen. Und im Falle von Neuwahlen mache ich meine Mitwirkung am Wahlkampf davon abhängig, daß ich verstehe und mittrage, was da für eine Mechanik erwartet wird.

Einmal mehr unsäglich ist erwartungsgemäß der ultrabraune Dr. Rülke. Wäre er repräsentativ für die FDP, wäre ich LÄNGST ausgetreten – der badenwürttembergischen FDP wünsche ich ja schon lange, daß sie aus dem Landtag fliegt und sich personell und ideell neu, freiheitlich, aufstellt. Ich zitiere aus Rülkes Pressemeldung: „Es hat sich abgezeichnet, dass sogar die CSU den massenhaften Nachzug von Flüchtlingsfamilien zulassen will. Sogar die CDU möchte zwischenzeitlich einer energiepolitischen Deindustralisierung Deutschlands zustimmen. CDU/CSU und Grüne fanden sich im gemeinsamen Willen, dem Automobil den Garaus zu machen.“

Ich kriege das Grundprinzip „Freiheit“ nicht unter einen Hut mit der Angst vor Zuwanderern, und ich bin felsenfest überzeugt, daß das Verbrennen fossiler Stoffe in absehbarer Zukunft Oldtimern vorbehalten sein wird. Wenn bestimmte Autohersteller partout weiterhin auf Raubbau an der Umwelt setzen, wenn in Deutschland eher die Post als ein LKW-Bauer sich über Elektrofahrzeuge Gedanken macht, dann gibt einem das Hinweise für den Aktienkauf oder die Wahl des Arbeitgebers. (Und nein, ich bin kein „Öko“, ich bin bspw. ein Freund der Kernenergie. Anderes Thema.)

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