Sonntag, 28. August 2005
Natürlich erwartet man in der Schnellpizzeria nicht die gleiche Behandlung wie im Ochsen, aber es gibt so ein paar grundsätzliche Punkte, die sich in der einen oder anderen Form in jeder Gaststätte wiederfinden. Und bei manchen Sachen bin ich offen verblüfft über die Ignoranz des teilweise ja anscheinend nur fix angelernten Personals. Da ich selbst nun aber ein nachtragender Spießer bin, der sich über manche Nebensächlichkeiten so richtig aufregen kann, hier ein paar Tips für Euch:
- Falls eine Kerze auf dem Tisch steht: Zündet sie an, wenn an dem Tisch ein Gast sitzt. Nichtbrennende Kerzen sind überflüssig und keine Dekoration. Und es ist schwerlich die Aufgabe des Gastes, ein Feuerzeug mit sich zu führen für den Fall, daß das Restaurant seiner Wahl Kerzen auf den Tischen stehen hat.
- Falls Gedecke auf den Tischen stehen oder doch zumindest Besteck und Servietten ausgelegt sind: Wird der Tisch nicht vollständig besetzt, dann nehmt doch bitte die überzähligen weg.
- Wenn ein Gast etwas hilflos im Eingangsbereich stehen bleibt, dann erhofft er, daß ihm ein Tisch angewiesen wird. Nur Mut, er wird nicht beißen.
- Die Wahrscheinlichkeit, daß ein neu eingetroffener Gast eine Karte haben möchte, ist hoch. Man kann sie ihm also zeitnah an den Tisch bringen, nicht erst eine Viertelstunde später.
- Ganz allgemein haben die meisten Gäste nichts dagegen, wenn man ihnen Speisen oder Getränke empfiehlt. Wer kann schon wissen, was die aktuelle Spezialität des Hauses ist.
- Wenn der Laden brummt und die Küche nicht nachkommt, hat der Gast durchaus Verständnis. Vorausgesetzt, man sagt es ihm offen und stellt ihm vielleicht sogar was zu Knabbern für die Zeit bis dahin auf den Tisch (oder einen Entschuldigungsschnaps oder irgendsowas).
- Damit Servietten ihren Sinn erfüllen, ist eine gewisse Mindestdicke erforderlich. Stoffservietten, wie sie in der gehobenen Gastronomie und auf dem Dorf üblich sind, sind etwas sehr nettes, wenn sie sauber sind.
- Ein leeres Glas ist ein guter Indikator, daß man den Gast mal fragen könnte, ober noch etwas trinken will. Analog lädt ein leerer Teller dazu ein, Nachspeisen oder Kaffee zu empfehlen oder zumindest zu fragen, ob noch etwas gewünscht wird. Es sollte selbstverständlich sein, daß die zuständige Bedienung den “Zustand” ihrer Tische permanent unter Kontrolle hat.
- Ein paar Worte mit dem Gast zu wechseln ist fein, gerade wenn er öfter kommt und unbegleitet, also potentiell gelangweilt ist. Darüber sollte man aber die anderen Gäste, die möglicherweise bestellen oder zahlen wollen, nicht übersehen.
- Das gesamte Interieur, gerade aber auch Tischdecke und Besteck sollte zur “Klasse” der Gaststätte passen. Plastik ist allenfalls im Fastfood-Umfeld akzeptabel.
- Es mag “jugendlich” rüberkommen (und die einige Privatsender praktizieren es ja auch), aber es ist unhöflich, einen Gast zu duzen, wenn man ihn nicht kennt.
- Es sollte selbstverständlich sein, daß sich Bedienung oder Koch erkundigen, ob “es” geschmeckt hat. Wenigstens scheinbar sollte man ja den Eindruck wahren, man sei an der Meinung des Gastes interessiert.
- Von den Grundrechenarten sind die Addition und die Subtraktion auch im Zeitalter moderner Kassensysteme unverzichtbar.¹
Danke für’s Lesen. Ich fühl mich jetzt besser.
¹ Bevor das jemand für eine Unterstellung hält: Ich hab’s in drei Durlacher Kneipen erlebt, daß eine Bedienung, der man bspw. 12,50 geben möchte und ihr dazu einen 20er-Schein und ein 50-Cent-Stück hinhält, damit nicht klarkommt und völlig falsch wechselt.
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