..und Kinderwägen und Rollstühle. Und was sonst noch sperrig ist: Es gibt eine ganz, ganz banale Faustregel: “Vorne einsteigen.” Das kann man sich sogar damit merken, daß einem dann ja möglicherweise aus Versehen der Fahrer beim Einsteigen hilft. Und für die Unsicheren: Wenn der Eingang infrage kommt, dann gibt’s auch einen extra Druckknopf, damit die Tür länger offenbleibt. Fehlt der Knopf, fehlt auch der Platz hinter der Tür.
Ich hatte heute wieder das Vergnügen, mir die zwei Meter von meinem (direkt gegenüber der Tür gelegenen) Sitz zum Ausgang durch zwei Fahrräder nebst Halter und eine arme eingequetschte Oma mit Gehhilfe bahnen zu müssen. Möge diese Fahrraddeppen der Blitz beim Scheißen treffen!
Wer kennt die Situation nicht: Junge entnervte Mutter kommt im Eilschritt mit ihrem Kinderwagen zur abfahrbereiten Straßenbahn gehastet, sie will oder kann keinesfalls einfach zwei Minuten auf die nächste warten. (Daß es fast immer Mütter und Großmütter sind, die die Kinderwägen schieben, ist ein anderes Thema.) Natürlich kommt sie an einer der hinteren Türen an, und gnade der Allgemeinheit, wenn niemand für sie den Knopf gedrückt und die Bahn am Abfahren gehindert hat. Daß man die Niederflurer relativ leicht auch mit Kinderwagen betreten kann, wenn man sie nur richtigrum reinschiebt, hat sie noch nicht ausprobiert (warum probieren junge Eltern nicht wenigstens ein einziges Mal ohne das Baby außerhalb der Stoßzeiten in aller Ruhe aus, wie man den Kinderwagen am besten durch die Stadt bekommt?). Also wird er nicht einfach “normal” reingeschoben (da kann man das vordere Radpaar des Wagens durch Druck auf das hintere Wagenende anheben, das geht sogar bei Rollstühlen), sondern wie bei den alten hohen Bahnen umgedreht. Bis dahin schließt sich die Tür fast. Wütender Protest über den abscheulichen Fahrer, der doch sehen müsse, daß sie noch nicht drin sei. Die Tür geht wieder auf, die junge Frau bemerkt, daß so herum das ganze wesentlich schwieriger ist und schaut flehentlich, ob ihr jemand helfen könne. Denn falschrum geht nur, wenn man den Wagen anhebt (dann ginge natürlich sogar seitwärts, das ist ja kein Kunststück mehr). “Flehentlich” ist das falsche Wort. Richtiger beschreibt man den Ausdruck wohl als eine Mischung aus “wutentbrannt” und “selbstbewußt”, denn sie ist ja Mutter und verdient verdammtnochmal, daß man ihr hilft, ihr mittlerweile seine Stimme lautstark erhebendes Kind durch die Tür zu bringen. Bei einer Aufgabe, die sie durch minimalen Logikeinsatz alleine bewältigt hätte. Aber wer wird in dieser Situation mit einer Mutter, die ihr Kind beschützt, diskutieren... Also ist irgendwann, nach wenigstens drei weiteren automatischen Versuchen der Tür, sich zu schließen, der Kinderwagen drin. (Nein, niemand wird es wagen, sie auf den extra Kinderwagenknopf an den vorderen Türen hinzuweisen.) Und steht nun im Weg. Und wieder wird sie schelten, was das für eine kinderunfreundliche Bahn sei, die keine Kinderwagenplätze freihalte. Und sie wird erwarten, daß irgendwer aufsteht, damit sie sich neben ihren im Gang stehenden Wagen setzen kann. Bis dahin hat die Bahn Verspätung. Und das alles, das ganze Theater, nur, weil die Dame sich nicht vorher kundig gemacht hat,
wo sich bei einer Karlsruher Straßenbahn der Platz und die Tür für Kinderwägen befinden. Denn eigentlich ist bei Niederflurern das Ein- und Aussteigen mit Kinderwagen so einfach und schnell wie ohne.
Aber das mit den Türen gilt für alle Bevölkerungsschichten. Früher in den alten Bahnen, wie sie heute noch auf der Linie 5 fahren, konnte man es jeden Winter neu beobachten: Da steht ein dicker Aufkleber “nur für Gehbehinderte und Kinderwägen” an der vordersten Tür - weil es verdammt kalt für den Fahrer wird, wenn sich diese Tür öffnet und die Verkehrsbetriebe das deshalb so selten wie möglich haben möchten. Teilweise kleben Fahrer sogar noch leuchtorange Pfeile auf, die auf diese Schrift zeigen. Alles sinnlos. Der denkfaule Pöbel lässt diese Tür erst in Frieden, wenn - was dann meistens die nächste Steigerung in der Auseinandersetzung ist - der Fahrer ein “Tür defekt”- Schild über den Druckknopf klebt. Dann allerdings haben die Mütter mit den Kinderwägen ein Problem...
Darf man denn wirklich bei >80% der Menschen nicht damit rechnen, daß sie Hinweise durchlesen und befolgen? Muß da immer erst irgendwas bunt blinken oder Elektroschocks austeilen, damit die Leute aufmerksam werden?