Wenn ein mittelständischer Betrieb pleitegeht, dann spätestens suchen sich seine Angestellten eine neue Arbeit. Und sollte einer keine finden, muß er leider das Sozialsystem in Anspruch nehmen.
Stirbt aber irgendein überfetteter Konzern, so wittern bestimmte Politiker gleich Wählerstimmen und basteln rührende Geschichten. Scheinbar waren bspw. alle Schleckerangestellte dumme alte Frauen (“Schlecker-Frauen”) und haben scheinbar selbst in Bundesländern mit de-facto-Vollbeschäftigung wie Baden-Württemberg keinerlei Chance auf eine andere Stelle. Ausnahmsweise darf man hier dann sogar sexistisch sein und überhaupt mit billigsten Schubladen arbeiten, wenn man Journalist ist.
Schon in den letzten Jahrzehnten wurden monströse Dinosaurier in verschiedenen Branchen gerne durch öffentliche Gelder am Leben erhalten, sehr zum Ärger ihrer mittelständischen Mitbewerber, die anständig gewirtschaftet hatten. Die Kettenfiliale steht auf den Trümmern des Familienbetriebs. Und hier geht es ja sogar nur noch darum, die Leiche für die Beerdigung hübsch herzurichten, denn eine Transfergesellschaft würde zu weniger Kündigungsklagen mit ungewissem Ausgang führen und damit den Wert der Restmasse steigern, das ist der einzige praktische Nutzen dieser Schnapsidee. In einigen Monaten wäre die “Weiterbeschäftigung” so oder so vorbei, eine Lösung wäre das ja eh nicht für die Betroffenen.
Klassischer Fehler der Liberalen: Sie hätten erst zwei Wochen Öffentlichkeitsarbeit machen und dann handeln sollen. Es ist gut und richtig, daß alle mit gleichem Maß gemessen bzw. im Zweifel die kleinen und mittleren Unternehmen bevorzugt werden, nicht die großen. Aber wenn man’s nicht erklärt, ist man schnell der Buhmann, der nun plötzlich schuld sein soll, wenn zehntausend Menschen sich ne neue Stelle suchen müssen - nicht mehr das Schlecker-Management oder -personal. Mal ganz davon abgesehen, daß ich das für keine riesengroße Zahl halte, und daß die meisten in wenigen Wochen versorgt sein dürften, ordentlich ausgebildete Einzelhändler/-innen werden schließlich gebraucht.