Auf
Bundes- und
Landesebene wird über das Schulsystem diskutiert. Das ist normal, denn jeder war mal in einer Schule, deswegen versteht auch jeder was von Bildungspolitik... Leider geht der Trend dahin, daß uns ein weiteres Mal altsozialistischer Quatsch doch noch untergejubelt werden soll. Das Abitur verkürzt, die Hauptschule abgeschafft, und schon gibt’s fast die Einheitsschule, wo bisher ein breit ausdifferenziertes, aufwendiges Schulsystem bestand.
Als Unterstufen-Gymnasiast hab ich mal mit einem Lehrer gestritten, warum er gezielt die schwachen Schüler aufruft anstelle derer, die die richtigen Antworten wissen und so den Unterricht unnötig verzögert. Ich versteh bis heute nicht, was Kinder, die in der 5./6. Klasse wesentlich Dreier und Vierer im Zeugnis haben, an einem Gymnasium verloren haben. Qual für sie und Qual für die anderen.
Zwei Punkte will ich aber gleich klarstellen: 1) Ich bin sehr dafür, daß das gesamte Bildungssystem an jeder Stelle so durchlässig wie nur möglich gestaltet wird. 2) Ich find’s verkehrt, daß die Schüler, die am schnellsten lernen, am längsten zur Schule gehen.
Ich behaupte also keineswegs, daß das aktuelle System das bestdenkbare wäre. Allerdings halte ich es für wichtig und richtig, schon ab dem Kindergarten immer wieder nach Wissensstand und Lerngeschwindigkeit zu sortieren. Nur so kann man die Langsamen geeignet fördern. Und die Schnellen.
Das einzige mir bekannte Gegenargument gegen solch eine Differenzierung ist sinngemäß, daß die verschiedenen Kinder sich bei gemeinsamem Unterricht aneinander gewöhnen und das Miteinander einüben würden. Warum das sinnvoll sein soll, erschließt sich mir aber nicht. Auch später im privaten wie im Berufsleben wird man sich doch wesentlich mit Menschen umgeben, die einen ähnlichen Bildungsstand haben wie man selbst. Und “warte auf die Langsamen” halte ich in einer auf Wettbewerb gegründeten Gesellschaft für kein Erziehungsziel. Wir brauchen kein matschiges Mittelmaß, sondern Individualisten, die ihre je eigenen Fähigkeiten optimal entfalten.
Jeder kann irgendetwas besser als die Menschen um ihn herum. Und das sollte entdeckt und gefördert werden. Bei jedem.
Ich mache übrigens seit über zehn Jahren sehr gute Erfahrungen mit der Ausbildung von Hauptschulabsolventen zu Fachinformatikern. Die sind meistens viel erwachsener als ihre vier Jahre älteren Kollegen vom Gymnasium. Aber das ist ein anderes Thema, und über Berufliches blogge ich nicht mehr.