Mal ein für dieses Blog eher untypischer Eintrag (aber es ist ja auch untypisch, daß ich zwei Artikel an einem Abend schreibe), eine Software-Liste: Ich hab seit einiger Zeit eher zum Rumspielen ein “Optimus Black” von LG via 1&1. Also nicht als Handy, denn dafür ist mir das Ding *viel* zu groß, ein Handy muß auch in die Tasche einer engen Hose passen, ohne zu behindern. Aber so als kleine mobile Surfstation, sozusagen als MP3-Player “plus”, ist das ja ganz nett.
Ich möchte hier jetzt aber weder erzählen, welche Irrwege der Paketdienst nahm (und warum ich aus Durlach nach Forchheim mußte, es abzuholen) noch, wie komisch die diversen Zwangsdienste sind (also die, die man nicht deinstallieren kann und die immer wieder loslaufen, selbst wenn sie garnicht konfiguriert sind und also auch nichts tun können). Ich will mal konstruktiv sein und erzählen, welche (wenigen!) Applikationen ich verwende und was mich daran jeweils stört. Vielleicht hat ja der eine oder die andere von Euch alternative Vorschläge.
Allerdings gleich vorneweg: Da ich im Leben nicht vorhabe, irgendein Googlekonto mit einem Gerät zu verbinden, das ich ständig bei mir trage und das sowohl meine Position als auch das Internet zur Verfügung hat, fällt der dortige App-Installationsdienst aus. Und der von 1&1 derzeit ebenso, denn der ist im wesentlichen eine produktweise Weiterleitung zu Google. Was ich brauche, sind direkt ladbare .apk-Dateien.
Ich habe hier als Tastaturen noch das Hacker’s Keyboard und Graffiti (die Strichzugerkennung vom Palm) installiert und komm damit eigentlich überall hin, wo ich hin will.
Für die Bahnauskunft hab ich den DB Navigator und auf Empfehlung von Tommy noch “Öffi”. Letzteres ist chic, kennt aber scheinbar keine aktuellen Verspätungen, nur die regulären Fahrpläne. Und es hat Kinderkrankheiten (oder ich bin zu blöd), so muß man zum Beispiel, wenn man zwischen dem DB- und dem KVV-Plan wechseln will, in riesigen Listen scrollen. Aber es hat eine intelligent gemachte Anzeige, Netzpläne diverser Nahverkehre und ähnliches, jedenfalls eine lohnende Sache. Ersteres, das DB-Produkt, ist naja sagen wir mal “unbeschreiblich”. Ich hab im Web eine Seite gefunden, wo die Bahn zusammen mit “Powerusern” drüber nachdachte, was man verbessern könnte. Da stand dann so Zeug wie “Fahrscheinkauf noch knapp vor der Abfahrt”. Hallo? Diese Software hat, jedenfalls in der Android-Version, wie erwähnt nichtmal die Möglichkeit, eine Wunsch-Ankunftszeit vorzugeben. Und natürlich hat der DB Navigator die ganzen Kinderkrankheiten der eigentlich schon hochbetagten Onlineauskunft, schrieb ich ja schon. Zum Beispiel sucht er locker Verbindungen, von denen er schon weiß, daß sie wegen der Verspätungen nicht funktionieren. Aber wenn gerade wegen Verspätungen andere Verbindungen möglich wären, dann zeigt er sie nicht an. Naja aber zumindest kann man unterwegs mal geschwind nachschauen, wann der nächste Zug geht und von welchem Gleis er theoretisch abfahren sollte. Und ehrlicherweise muß man sagen, daß er ein vernünftiges Caching hat, für Menschen wie mich ohne Flatrate (ich hab diese kostenlose WEB.DE-Club-SIM, 250MB UMTS frei und danach geschwindigkeitsbegrenzt) durchaus ein wichtiger Punkt. Viel zu viele Apps surfen fröhlich im Netz herum, ich hab gute Lust, fast immer das Netz abzudrehen (kann ich, weil ich wie gesagt mit dem Ding nicht telephoniere).
Zum Browsen verwende ich den Opera. Es war zwar etwas trickreich, den ohne Google überhaupt zu kriegen, aber es ging. Ich verwende ihn, weil ich ihn halt seit Ewigkeiten gewöhnt bin. Störend ist für mich wie bei sehr, sehr vielen Apps, daß die Software darauf optimiert ist, einen nichts oder möglichst wenig tippen zu lassen. Sei es, daß das dumme Ding ständig versucht, selbst URLs zu ergänzen oder sei es - und hier wird es wirklich lästig - daß man kaum Konfigurationsmöglichkeiten hat. Warum eigentlich bieten die meisten Apps fast keine Einstellmöglichkeiten an? Wer zu blöd zum Tippen auf dem Gerät ist, könnte das ja auf dem PC nebendran machen und die Konfigdatei anschließend übertragen. Aber scheinbar kann ich, so flexibel der normale Opera auch ist, bei seinem mobilen Bruder sowohl das Aussehen als auch die Bedienung nur hinnehmen, wie sie halt ist. Und für den Aufruf eines Lesezeichens braucht es mindestens vier Tastendrücke (Eigenschaften, O, Lesezeichen, das konkrete Lesezeichen). Aber immerhin hat er Tabs und kriegt die für mich wichtigen Seiten leidlich gut dargestellt.
Für SSH (Mail lesen und so...) verwende ich ConnectBot und zum Arbeiten im lokalen Filesystem AndRootFile. Zum Spielen hab ich ein Schachprogramm, das scheinbar nur “Chess” heißt.
Zur Nutzung von GPS und Openstreetmap hab ich derzeit Navit, aber ich bin nicht so recht glücklich und werd noch die anderen im OSM-Wiki verlinkten Programme ausprobieren. Dann hab ich noch einen OpenOffice-Documentreader und “Barcode Reader” und “Barcode Scanner”, die mich aber beide nicht wirklich begeistern.
So. Nun zu den mitgelieferten und nicht deinstallierbaren Software-Produkten:
“Notizen” und “Radio” gehen so, wenn auch nicht besonders komfortabel. Aber ich könnte nicht direkt sagen, was ich vermisse. Der “Rechner” ist ein schlechter Witz, dagegen ist ja der Windowstaschenrechner ein Multifunktionstalent. Dieser “Rechner” kann weder andere Zahlensysteme noch Wurzeln, Potenzen, Klammern oder auch nur das Speichern von Zwischenergebnissen, was wirklich schon vor 30 Jahren jeder Taschenrechner konnte. Eigentlich hätte ich erwartet, auf einer prinzipiell so leistungsfähigen CPU mittlerweile Gleichungen lösen zu können.
Der MP3-Player, scheinbar namens “Musik”. Bei jedem Neustart des Geräts sortiert er alle MP3s alphabetisch, egal in welchem Ordner sie sich befinden. Und Dateiattribute wie das Datum sind ihm völlig unbekannt. Es ist also ausgeschlossen, zum Beispiel immer wieder neue Podcastfolgen einfach auf die Speicherkarte dazuzupacken, das bringt ihn jedesmal komplett aus dem Tritt. Dafür trödelt er dann im Internet rum und sucht scheinbar Cover und was-weiß-ich. Eine Krätze.
Die “Kamera”-Applikation tut, was sie soll. Lediglich beim Scharfstellen piepst sie, was sehr nervig sein kann, wenn man in sehr ruhiger Umgebung sehr viele Szenen aufnehmen möchte. Halt wieder das übliche “nix kann man einstellen”-Phänomen.
Was ich vermisse, ist ein Kalender. Und nein, ich meine nix, was irgendwo hin synct, ich rede nicht von einem Notizbuch, sondern von einem readonly-Kalender sozusagen. So ein Ding, das mir das Jahr in Monate zerlegt und die wieder in Wochen. Vielleicht noch mit Feiertagen drin oder - das wäre sehr cool - dem katholischen liturgischen Kalender. (Überhaupt wäre ein Brevier für Android nett, aber das scheitert vermutlich schon an den Verwertungsrechten der Einheitsübersetzung.)
Und was ich ebenfalls vermisse, was es aber wohl tatsächlich nicht gibt, ist ein emacs. *schluchz* Ich würd gerne auch mal mehr als eine Zeile tippen, zum Beispiel während langweiliger Sitzungen, und hätte dafür gerne den gewohnten Komfort. Und die eingebaute Notizzettelfunktion ist da ja nichtmal mit dem ed vergleichbar, die kann ja nichtmal RegExe.
Abschließend hab ich aber auch ein paar wirklich schöne, durchdachte Seiten an diesem Gerät entdeckt. Wenn man zum Beispiel mit den Ohrstöpseln Podcast hört, sich im Kabel verfängt und es rauszieht, dann plärrt nicht plötzlich der Lautsprecher, sondern der Player geht auf Pause. Richtig gut, richtig mitgedacht.