Ich hoffe, mir gelingt es, meine Meinung auszudrücken und dennoch im Rahmen geltenden Rechts zu bleiben. Schriebe ich meine Meinung über VBK, KVV und vor allem deren aktuelles oberstes Führungspersonal frei von der Leber, wär das gewiß nicht gegeben. Oder wie Marc Haber es unlängst¹ formulierte “in Karlsruhe ist auch nicht mehr alles Ludwig was gelb ist und rumfährt. Leider.”
Früher waren die Karlsruher Verkehrsbetriebe ein extrem agiler, eingeschworener Haufen, sozusagen das positive Idealbild einer Neweconomy-Firma, obwohl das dortige Umfeld ja ein ganz anderes ist. Aber für jedes Problem fanden sich schnelle Lösungen, Störungen waren fix beseitigt und geplante Störungen wurden darauf optimiert, eben gerade möglichst wenig zu stören. Und praktisch alle Fahrer waren ordentlich angezogen, aber das nur am Rande.
Ob das heute noch so ist, da fragt Ihr am besten mal regelmäßige Straßenbahnbenutzer. Ich belasse es in diesem Artikel bei einem einzigen Beispiel: Es hat Jahrzehnte gedauert, die Auener vom Nutzen einer Straßenbahnanbindung zu überzeugen. Jetzt wird genau diese Anbindung de facto für zwei Monate (nicht Stunden) eingestellt, nachdem sie vorher schon Gegenstand obskurer baustellenbedingter Linienverlaufsänderungen war. Für diese zwei Monate ist ganz Durlach mit “allem hintendran” nur noch halb so gut angebunden, weil man mal eben die Schienen auf der Durlacher Allee in Höhe Schlachthof/Betriebshof unterbrochen hat. Auf der Umleitungsstrecke, auf der nun also ein erheblicher Teil der Straßenbahnen und Stadtbahnen der Region verkehren müssen kam es unlängst abends zu einer Berührung zweier leerer Bahnen. Die Verkehrbetriebe benötigten, wenn meine Informationen stimmen, über drei Stunden, die beiden Fahrzeuge zu entfernen und die Strecke wieder passierbar zu machen. Das kann ich mir zu Zeiten von Dr. Ludwig mit seinem halblegalen Blaulicht auf dem PKW nicht vorstellen.
Aber das ist Spekulation. Bleiben wir bei den Tatsachen. Die sogenannte Öffentlichkeitsarbeit des KVV ist, sagenwirmal, vornehm zurückhaltend. Informationen zu aktuellen ungeplanten Betriebsstörungen, Unfällen etc. sucht man auf dem Webauftritt vergeblich, die Seiten beschränken sich auf das absolute Minimum, was ein Verkehrsverbund nun eben heutzutage, nach über fünfzehn Jahren WWW, im Netz haben muß. Irgendwas aufwendigeres, bspw. eine interaktive Erkundung des Netzes oder der eingesetzten Fahrzeuge oder auch nur ein popeliges Forum gibt es nicht. Ich empfehle, den Artikel über die
Genese und Zusammensetzung des “Fahrgastbeirats” durchzulesen, weil der ganz gut darstellt, wie sich der KVV Kundenfeedback vorstellt: 20 vom KVV handverlesene Fahrgäste tagen drei- bis viermal im Jahr. Das ist sicherlich weniger anstrengend als ein Webforum oder sonst irgendeine echte bidirektionale Kundenkommunikation.
Nun dachte ein
Jugendlicher, er täte dem KVV was gutes, wenn er dessen Pressemeldungen nach Twitter kopiert. Als dort Rückfragen aufkamen, ob das offiziell sei, wandte er sich sofort an den KVV. Von dort erhielt er bescheid, man arbeite an einem eigenen Twitteraccount... Er deutete das nicht als Untersagung seines Ehrenamts und twitterte weiter. Was täte eine engagierte Truppe in diesem Fall? Vielleicht würde sie ihn mal zu einem Schnuppertag in’s Büro einladen und mit ihm fachsimpeln über moderne Öffentlichkeitsarbeit. Oder ihm danken und Regeln definieren, unter denen er das bis zum eigenen Onlinegang weitermachen kann. Aber jede derartige Lösung hätte ja aktives Denken erfordert. Die “Öffentlichkeitsarbeit” des KVV ging den bequemeren Weg und schickte ihm klassisch per Papierpost eine strafbewehrte Unterlassungserklärung. Kein Dankesschreiben. “Erbärmlich” darf man das wohl nennen, ohne sich juristisch angreifbar zu machen?
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¹ <j0sef8$va7$1@news1.tnib.de>
Aufgenommen: Jul 31, 22:22