Ich möchte ja nicht den Eindruck erwecken, hier systematisch gegen Promis meiner eigenen Partei zu agitieren, aber daß Frau Koch-Mehrin sich wenige Tage nach ihrer Entlarvung als akademische Betrügerin zum Vollmitglied im Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie des Europäischen Parlaments berufen lässt, ist der Gipfel an Instinktlosigkeit. Statt bei Deutschlands Wissenschaftlern für ihre Tat um Entschuldigung zu bitten und sich dann unter irgendeinen Stein zu verkriechen, hält sie sich scheinbar für ein Vorbild.
(Wir erinnern uns: Gleichzeitig Mutter und Politikerin, alles kein Problem, alles unter einem Hut. Auch wenn andere Parlamentarier zählen, daß sie fast nie in Sitzungen gewesen sein soll... alles üble Nachrede, klar kann man Kinder gebären und gleichzeitig ein Mandat wahrnehmen. - Dabei war offensichtlich schon die Anfertigung einer eigenständigen wissenschaftlichen Arbeit eine Überforderung der “Powerfrau”. Und wie unfaßbar der Tritt an’s Schienbein der eigenen Universität, zu sagen, die Abschreiberei ohne Kenntlichmachung sei dem Promotionsausschuß seit Jahren bekannt. Das macht ihre eigene Schandtat nicht besser, zieht nur die Fakultät insgesamt noch mit in den Dreck. Bei so einer Person sollte man bis zur ersten Proseminararbeit alle Leistungsnachweise nochmal prüfen, am Ende gebührt ihr nichtmal das Staatsexamen.)
Dabei passt diese unehrenhafte Verlogenheit prima in das Bild, das ich schon von ihr hatte. Denn für Karlsruhe, für die Region, wenigstens für Deutschlands Südwesten im ganzen hat sie nie auch nur einen Finger krummgemacht. “Unsere” Abgeordnete ist sie nicht und war sie nie. Sie wurde nie gesehen bei IHK oder Handwerkskammer, bei städtischen Anlässen oder an den Hochschulen der Region, um nur ein paar typische Politikernetzwerkaktivitäten zu nennen. Eher im Gegenteil, sie setzte sich aktiv für eine Abwertung unserer Nachbarstadt Straßburgs ein. Wenn sie alle paar Jahre mal persönlich zu einer Kreisverbands-Jahreshauptversammlung erschien, dann mußte ihr Punkt vorgezogen werden, damit sie am gleichen Abend wieder in ihr geliebteres Brüssel zurück konnte. Bloß nicht im eigenen Wahlkreis nächtigen, am Ende kommen Bürger und wollen sie sprechen. (Ach und bevor mir einer damit kommt, sie sei halt in der EU engagiert gewesen: Vorher hatten wir MdB Kinkel als “unseren” Abgeordneten, und der war sogar als Außenminister sehr viel präsenter in Karlsruhe.)
Meiner persönlichen Meinung nach sollte eine liberale Partei solches Geschmeiß nicht in ihren Reihen dulden. Aber ich fürchte, unsere Satzung hat (wiederum aus gutem Grund) hohe Hürden für ein Ausschlußverfahren, und selbst besitzt sie ja offensichtlich nicht den nötigen Anstand, auch nur um Entschuldigung für das eigene amoralische Handeln zu bitten. Betrug ist kein Kavaliersdelikt, als Juristin könnte sie das wissen, wenn’s schon mit der Ethik hapert.
Meine Meinung zu unserer Europaabgeordneten hab ich ja schon bekundet. Leider ist ein Parteiausschlußverfahren bei uns (aus gutem Grund, wir sind ja liberal) an fast nicht erfüllbare Bedingungen geknüpft. und diese wandelnde Rufschädigung hat ja selbst of
Aufgenommen: Okt 19, 21:42