Früher, in der guten alten Zeit, gab es den Lehrberuf des Setzers. Der verstand es, aus dem Manuskript eine ansprechende Buchseite mit schönem Satz zu machen. Und auch bei Zeitungen schrieb nicht einfach ein Praktikant direkt an die Druckerei, sondern da waren mehrere menschliche Hürden zwischen dem Textschreiberling und dem Leser, die den Text glätteten und korrigierten. Deswegen hab ich während meiner Schulzeit höchstens alle paar Wochen mal einen Tippfehler in unserem Provinzblatt gefunden. Heute ist das offensichtlich anders, jedenfalls wenn knapp kalkuliert wird (“billig” würden manche wohl sagen). Dabei red ich garnicht von “alter” vs. “neuer” Rechtschreibung oder von Details der Zeichensetzung.
Ich hätte nicht gedacht, daß ich mal dazu einen Blogartikel schreiben würde, aber mittlerweile ist es mir unerträglich. Einfach mal die jüngsten Artikel von Ka-News durchschauen:
- 15.6. steht unten “aus den Wohnzimmer verbannt”.
- 15.6. beginnt gleich mit “Landtagabgeordnete” und schreibt noch im ersten Absatz “Sie” groß, obwohl es sicher Frau Rastätter und nicht den Leser meint. Im gleichen Satz begegnet uns die Wortschöpfung “Nomierung”. Drei Zeilen tiefer haben wir “Umweltpoltik”. In diesem Absatz folgt noch die alkoholisiert wirkende Floskel “ist jetzt ist”, die aber angeblich ein wörtliches Zitat von Frau Rastätter ist. Das Zitat endet übrigens mit “”, also mit zwei aufeinander unmittelbar folgenden oberen Gänsefüßchen. Und während im ersten Absatz vom “grünen Kreisverband” mit kleinem “g” die Rede ist, geht es am Ende mit den “Grünen Mitglieder”n (ohne Bindestrich) weiter, acht Wörter später sind es die “grünen Mitglieder”.
- 15.6. Schon im Titel ein “n” zuviel, wie auch ein (unbeachteter) Kommentar bemerkt.
- 14.6. Was ist eine “Mitarbeiterein”? Weiter unten findet sich dann “Für den Fall das”.
- 14.6. Tja wenigstens im Titel könnte man “Karlsruhe” ja richtig schreiben. Könnte. Und der Artikel ist nun schon fast zwei Tage online. Und im Gegensatz zum Druck könnte man sowas auch nachträglich fixen. Könnte. Und ob es so geschickt ist, anlässlich eines DHBW-Vortrags (das ist die Ex-BA) einen Riesenhörsaal des KIT abzubilden, naja ich wollte ja nichts inhaltliches ansprechen. Der Rest des Artikels ist fehlerfrei, so daß ich annehme, er wurde 1:1 aus der Pressemeldung der DHBW kopiert.
- 13.6. “Arbeit, die [...] nachbereitet werden mussten”. Auch der Rest des Artikels ist gruslig. Da wird “Kindertagesstätten” synonym zu “Kindergärten” verwendet und von “zehn Stück” (gemeint sind Kindergärten) geschrieben. Äh nein, ich wollte ja nicht. Auch nicht zur Zeichensetzung. Aber immerhin noch zu “Neben der Oberbürgermeisterin Gabriela Büssemaker waren auch die Vertreter der beteiligten Gemeinden anwesend, sowie dem Leiter des Amt für Jugend, Familie und Senioren Patrik Hauns und den Vertretern der Stiftung ‘Haus der Kleinen Forscher’.” Ey krass ey.
- 13.6. Dagegen ist das vergessene “u” bei “Schle” schon fast langweilig.
Ich wunder mich jedenfalls nicht mehr, warum mir meine Azubis so ungeniert fehlerbehaftete Texte vorlegen, für die wir uns vor 25 Jahren wirklich in Grund und Boden geschämt hätten. - Und ja, ich hab in alte Schülerzeitungen und Abizeitungen geguckt. Fast keine Tippfehler, weil zigmal korrekturgelesen.