Dieser Beitrag schließt nicht an die ältere Reihe meiner Durlacher Gastronomie-Empfehlungen an. Erstens weil der
Wolfbräu nicht in Durlach ist und zweitens, weil ich ihn nicht empfehle. Ich war letzten Samstag dort, mit etwa 15 anderen Menschen in den Geburtstag eines Freundes reinzufeiern. Und ich hab das erste Mal in meinem Leben nicht einen Cent Trinkgeld gegeben.
Eigentlich könnte das Wirtshaus mir gefallen. Es ist schön hell (als Nachtblinder mag ich diese typische Kneipen-Kerzenlicht-Atmosphäre nicht), und das Karlsruher Wolfbräu, das man leider selbst in Karlsruhe nicht überall kriegt, schmeckt mir. Die Gaststätte ist kulinarisch leider eher ein Italiener als eine typische Brauereigaststätte. Sprich es gibt diverse Pizzen und Nudelgerichte, aber typische Bierbeilagen wie Obatzda, Wurst- oder Käsebrote, Bretzeln oder Knabberzeug sucht man vergebens, ebenso Suppen. Offiziell ist bis 1h nachts geöffnet, wie das in Karlsruhe ja weit verbreitet ist. Schon satte anderthalb Stunden vorher schließt die Küche, wobei “schließt” hier bedeutet, daß es wirklich garnichts mehr gibt. Keine Erdnuß.
Bei der Bedienung wird zwischen jenen, die die Bestellungen aufnehmen und jenen, die ausliefern, unterschieden. Was dazu führt, daß sich scheinbar niemand für die leeren Gläser interessiert. Meine standen aufgereiht den ganzen Abend vor mir, bis ich ging. Ähnlich erging es teilw. sogar Tellern und Bestecken. Auch sonst finde ich das gelinde gesagt suboptimal, es leistet Fehlbestellungen/-lieferungen vorschub. Und in mindestens einem Fall wurde ein Gericht komplett “vergessen”. Es führt auch dazu, daß die die Bestellungen aufnehmende Bedienung nicht unbedingt von selbst am Tisch vorbeikommt. Es empfiehlt sich scheinbar, ab und an jemanden an den Tresen zu schicken mit der Bitte, das Personal zu aktivieren. Aber gut, das kann man ja tun, wenn man’s mal begriffen hat.
Groß war unsere Überraschung aber, als um 23:45 die Bedienung zur “letzten Runde” aufforderte. Und noch größer war die Überraschung, als sich herausstellte, daß um diese Zeit bereits keine Kaffeegetränke mehr lieferbar sind, “weil die Maschine schon abgeschaltet ist”. Und sie meinte das ernst. Auch die Aussicht auf über zehn verkaufbare Kaffee-Einheiten führten nicht dazu, daß sie Anstalten gemacht hätte, die Maschine nochmal anzuwerfen. Versuche, kurz nach Mitternacht doch nochmal an ein Bier zu kommen, scheiterten. Um 0:20 wurden wir abkassiert, nachdem schon ab Mitternacht begonnen worden war, die freien Tische um unsere herum mit einer Sprühflasche zu reinigen. Daß die Stühle nicht hochgestellt wurden, hat mich fast schon verwundert.
Wie gesagt, wir waren 16 Personen, haben uns anständig/unauffällig/leise betragen und haben im Rahmen des uns angebotenen auch ordentlich Umsatz gemacht.
Liebe Wolfbräuleute, falls Ihr das hier lest, will ich Euch noch kurz skizzieren, wie sich so ein In-Den-Geburtstag-Hineinfeiern in einer bis 1h offenen Kneipe üblicherweise abspielt im Raum Karlsruhe: 1) Wenn das Personal registriert, daß das eine Geburtstagsgesellschaft ist, kommt um Mitternacht irgendein Gruß. Und wenn es eine Kerze auf einem Yes-Törtchen ist. 2) Gegen 1h wird die letzte Bestellung aufgenommen (unter (
veraltetem) Verweis auf die restriktiven Karlsruher Sperrzeiten), bei Stammkunden, größeren Tischgemeinschaften oder anderen guten Gästen wird das Ende durch eine Runde Grappa oder dergleichen versüßt. Die schauen dann, daß sie so gegen 1:30 auch wirklich weg sind. 3) Wenn ein Gast trotz geschlossener Küche gerne etwas zu essen hätte, ist die typische Antwort “ich schau mal, ob wir was machen können” und die typische Lösung dann eben irgendwas, für das man keine Küche braucht. Salzstangen oder so.
Naja. So kam ich über den Abend zu gerade mal drei Bier und hab dort deutlich weniger Geld gelassen als eigentlich geplant. Auch recht. *staubvondenfüßenschüttel*