
Mein Haus erstrahlt nun mit ausgebessertem Putz und in frischen Farben. Allerdings anderen als ursprünglich geplant. Schöneren und passenderen. Und das kam so:

In meiner Annahme, bei gleichbleibender Farbgebung bzw. bei nur kleinen Adaptionen bedürfe es keiner Genehmigung des Denkmalschutzamtes war ich falsch beraten. Wie man ja auch dem letzten Kommentar des vorletzten Blogbeitrags entnehmen kann. Ich hab nach diesem Hinweis geschwind einen Antrag formuliert und gemailt, und tags drauf bekam ich einen Handyanruf, und noch einen Tag später standen wir vor meinem Haus: Ein Jurist der Stadt Karlsruhe mit zwei Praktikanten, eine Denkmalschützerin des Regierungspräsidiums, eine Sachverständige und der Malermeister. Und ich wurde dahingehend belehrt, daß bei einer baulichen Maßnahme die Gelegenheit genutzt wird, dem Ursprungszustand näherzukommen. Soll heißen man versucht, die ursprüngliche (d. i. nach dem Wiederaufbau nach dem Durlacher Brand) Farbgebung herauszufinden, und wenn dies gelingt, dann ist diese verbindlich.


In aller Eile wurde dies nun durchgeführt, wofür ich allen Beteiligten extrem dankbar bin. Denn insgesamt verzögerte sich die Fertigstellung nun grade mal um eine gute Woche, einfach weil alle Mitwirkenden super flexibel und schnell zeitnah mehrere Termine vor meinem Haus wahrnehmen konnten. Ich bin wirklich beeindruckt - was ich hier erlebt habe, hat nichts mit dem zu tun, was man landläufig mit “Behörden” assoziiert. Hätte ich nicht zufällig Urlaub gehabt, wäre ich noch der Bremsklotz geworden, was diese enge Terminfindung anging. Unglaublich super!

Die Sachverständige fand noch originales Sandsteinrot, aber keinen originalen Fassadenton. Hierzu brachte uns der Maler dann mehrere historisch und optisch passende Muster an der Fassade an, wir einigten uns auf Gelb. Beim nächsten Vor-Ort-Termin stieß noch ein Stadtplaner zu uns, der vorschlug, alles Holz bewußt anders zu färben als den Stein. So kommt es zum dunklen Grün als dritter Farbe, und deswegen sind die Umrandungen der Fenster nun im Erdgeschoß rot und im Obergeschoß grün. In dieser Runde wurde auch entschieden, den kleinen Vorsprung zwischen Erd- und Obergeschoß farblich abzuheben, sogar die Farbe des Wasserrohrs wurde hier beschlossen. Ja, und am Ende ist es nun also wie gesagt bunter als ursprünglich gedacht, aber so gefällt’s mir deutlich besser.

Immerhin ist die Fassade ja zwangsläufig ein Hingucker, weil man die Mittelstraße entlang drauf zufährt... An zusätzlichen Kosten entstanden nur die Aufwände der Sachverständigen, die Beamten verlangen nichtmal eine Bearbeitungsgebühr. Obendrein weiß ich jetzt, daß ich solcherart genehmigte Maßnahmen steuerlich geltendmachen kann. Und ich erfuhr aus den Akten, daß sich irgendwo an meinem Haus die Jahreszahl 1779 befindet, wohl das Jahr des Wiederaufbaus in seiner jetzigen Gestalt. Herzlichen Glückwunsch zum 230., Haus!