Ich will hier nicht zusammenfassen, was in den letzten Jahren dazu schon alles an Stuß abgesondert worden ist. Nur meinen beitragen.
Seit 1955 gibt es das Wildparkstadion, im Norden der Universität am Adenauerring. Es wurde anstelle eines Vorgängerbaus aus dem Jahr 1921 errichtet. Ein Stückchen Fußmarsch vom Durlacher Tor oder quer durch den Wald aus dem Westen. Parkplätze sind natürlich nur wenige vorhanden, aber es gibt Busspendelangebote, wenn Großveranstaltungen stattfinden. Und im Prinzip gehört das Rausmarschieren und das anschließende Zurückkehren in die Innenstadt zum Ritual. Es ist ja auch eine organisatorische Meisterleistung, den Verkehrsfluß zu regeln, wenn nach einem Spiel etwa dreissigtausend Menschen aus dem Stadion strömen. Ursprünglich gingen sogar 55.000 Zuschauer rein, aber dann kamen die dämlichen Sitzplätze (ich frag mich, wer die freiwillig nutzt, wenn nicht aus gesundheitlichen Gründen. Emotionslos und im Wortsinn arschkalt, da kann man dann doch besser zuhause fernsehen, statt in’s Stadion zu gehen).
Das Stadion entspricht nicht den heutigen Anforderungen. Darüber ist man sich scheinbar einig, auch wenn selten tatsächlich aufgelistet wird, was genau anders sein müßte. Das einzige, was erkennbar fehlt, sind mehr Plätze - das Stadion war in der vergangenen Saison praktisch ständig schon Wochen vor den Spielen ausverkauft, alleine die Dauerkarten-Kaufwilligen könnten es komplett füllen. Umso sonderbarer, daß der geplante Um- oder Neubau auch nur 35-40.000 Plätze haben soll (davon nur noch 5.000 Stehplätze, das ist 1/3 der aktuellen Kapazität!).
Die Toiletten sind fraglos ein Witz, und ich hab gehört, daß es für die gebraucht gekaufte Flutlichtanlage mittlerweile keine Ersatzteile mehr gibt. Die Beschallung ist improvisiert, und seit aus für mich völlig unnachvollziehbaren Gründen letzten Sommer das Spielfeld über die 400m-Bahnen zur Haupttribüne verschoben wurde (Anlaß war der Einbau einer Rasenheizung), ist es entsprechend die doppelte Distanz von der Gegentribüne weg, was gelinde gesagt suboptimal für die dortigen Fans ist. Obwohl noch vor fünfzehn Jahren dort UEFA-Cup-Spiele ausgetragen wurden, sind mittlerweile wohl alle möglichen (feuer-)polizeilichen Auflagen dazugekommen, so daß die Dachverbände herumpienzen. Außerdem isses Mode, reine Fußball-“arenen” zu bauen, auch wenn die dann die meisten Tage leerstehen.
Natürlich würde der KSC sich freuen, wenn die Stadt jetzt mal eben tief in die Tasche greift und aus einer Mischung von “Sportförderung” (eigentlich wohl was anderes) und “Stadtmarketing” (in Karlsruhe undefiniert) mal einige zig Millionen springen lässt. Und natürlich hätte die Stadt nichts dagegen, wenn der KSC ihr das Stadion abkauft und nach seinen Vorstellungen auf seine Kosten umbaut. Andere Nutzer gibt’s eh nur in Ausnahmefällen. Das ist also das erste Problem, daß man erstmal “wünsch Dir was” gespielt hat und sich danach dann seit Jahren drüber unterhält, wer eigentlich aus welchem Grund welche Summen zu investieren bereit und in der Lage ist. Deswegen ist da bisher nicht viel passiert in Richtung Umbau, und wenn’s nach mir ginge, dann bliebe dieser Zustand auch noch die nächsten zwanzig Jahre so.
Nun ist es aber so, daß die Stadt Karlsruhe als sehr junge Stadt ein bemerkenswertes Händchen hat, alle auch nur ansatzweise historisch interessanten Gebäude - oder sagen wir noch harmloser “Orte mit Geschichte” - abzureißen oder verfallen zu lassen. Vom Dörfle über Kaiserstr. 45-47 bis zum Stadion an der Telegraphenkaserne oder dem Durlacher Gefängnis. Deswegen erschien es garnicht abwegig, das Wildparkstadion komplett aufzugeben und stattdessen woanders ein neues Stadion zu bauen. Im wesentlichen suchte man Orte mit guter Autoanbindung, wobei aufgrund des Platzbedarfs so eines Stadions die Möglichkeiten ja eher begrenzt sind. Ich seh schon dreissigtausend Menschen auf der Durlacher Allee zu Fuß stadteinwärts ziehen. Viel Spaß!
Diese Schnapsidee schien schon fast wieder vom Tisch, bis auf den Bürgermeister einer Nachbargemeinde, der sich damit partout profilieren wollte, sprach keiner mehr drüber. Dann kam das Sommerloch 2008, und die Diskussion ging von vorne los. Neuste Idee ist, das alte Gelände der Uni zu geben. Die müßte dann ja “nur” ihre bisherigen Sportplätze (die zwischen Campus und Stadion liegen) abreißen, das alte Stadion weitgehend entfernen und den wesentlich kleineren Zuschauerzahlen universitärer Sportveranstaltungen anpassen und im Prinzip ein riesiges Gelände komplett neu bebauen. Das ist natürlich viel einfacher, als direkt neben dem Campus befindliche Gebäude hinzuzukaufen, wenn man wirklich Platznot hat.
Am Ende bleibt wie bei der U-Strab nur die Hoffnung, daß eh kein Geld da ist und man es bei einigen Sanierungen des vorhandenen, funktionsfähigen Stadions belässt. Zum Beispiel könnte man in den Kurven die Plastiksitze ersatzlos entfernen und so gleichermaßen Kapazität und Stimmung erhöhen. *grummel*