Kurzfassung: Jeden Donnerstag und Samstag gibt’s auf dem Kronenplatz einen LKW-Stand des Metzgers
Dietel. Und dessen vielfältige Würste aus eigener Schlachtung sind ausgezeichnet.
Langfassung: Als ich 1991 nach Karlsruhe kam, wollte ich erst nicht glauben, daß es hier die Regel ist, daß Metzger garnicht selbst schlachten. Also die beschränken sich fast alle drauf, tote Tiere zu zerteilen und Wurst herzustellen. Kein Wunder, daß einige wenige Ketten die meisten selbständigen Metzgereien in den letzten Jahren verdrängt haben. Und die verbliebenen sind sackteuer und bedienen ein Publikum, das sich für was besseres hält. In Weinheim, wo ich aufgewachsen bin, war das anders. Da haben die beiden Metzger, die es in der Weststadt gab, selbst geschlachtet an bestimmten Wochentagen, und danach richtete sich dann auch das Angebot. Und da sie im Fenster stehen hatten, von welchem Hof aus dem Umland die Tiere kamen, hätte man sie, wenn man gewollt hätte, wohl sogar vorher besichtigen und streicheln können. Also nix mit Massentierhaltung im LPG-Stil und eigentlich der beste Schutz gegen jeden Fleischskandal. Aber in Karlsruhe fand ich keinen einzigen Metzger, der das so praktizierte, obwohl Karlsruhe über einen eigenen Schlachthof verfügte.
Just nachdem die EU den Karlsruher Schlachthof aus Tierschutzgründen zur Schließung zwang (haha) saß ich im Pizzahaus zufällig am gleichen Tisch wie eine ältere Dame (es gab mehr Tischgemeinschaften als Tische). Wir sprachen über das Essen und kamen auf Metzger. Und sie empfahl mir einen Metzger in der Essenweinstraße, der, solange das Schlachthaus noch bestand, selbst schlachtete. Tja. Hätte ich den mal zehn Jahre vorher gefunden. Knapp vorbei ist auch daneben.
Am Kronenplatz gibt es schon seit Jahren eine Art Lebensmittelmarkt mit drei bis sechs Ständen, oft ist auch ein einzelner Blumenstand dazwischen (nicht zu vergessen die diversen Missionsgruppen, aber das ist ein anderes Thema). Anfang der 90er hab ich da mal drei Brezeln gekauft. Und der Bäckereifachverkäufer oder was immer das war, der Herr schleckte sich den Finger ab, bevor er damit eine Papiertüte öffnete und dann mit eben diesem Finger die Brezeln hineinverfrachtete. Ich war zu perplex zu protestieren und beließ es dabei, die Brezeln anschließend zu entsorgen. Seither hatte ich keine Lust mehr, auf dem Kronenplatz Lebensmittel zu erwerben.
An Wurst verzehre ich im wesentlichen Aufschnitt, dazu ab und zu ein Ring Fleischwurst und irgendwas streichbares, grobe oder feine Leberwurst. Als Selten-Kocher hab ich kaum Fleischbedarf. 200g Aufschnitt im Tengelmann bedeutet, daß man eine Bedienung suchen muß. Die sich dann Einweghandschuhe anzieht, mit Leidensmiene drei verschiedene Lyonersorten nimmt, schält und aufschneidet. Im weit größeren Scheck-In bedeutet die gleiche Aufgabe, sich erstmal eine Nummer zu ziehen und abzuwarten. Der restliche Vorgang geht dann fix, weil die Wurst bereits aufgeschnitten aufgestapelt ist. Meist gönnen einem die Verkäuferinnen auch mehr als drei Sorten, insbesondere nicht nur Lyoner “mit was drin”. Die von mir getesteten “Metzgereien” ließen sich zwischen diesen Extremen einsortieren, waren geschmacklich geringfügig besser und lagen preislich etwa beim doppelten.
Vor einigen Wochen nun wurde ich auf den Wagen des Herrn Dietel aufmerksam. Er wirbt nicht nur mit eigener Schlachtung, er hat auch eine Vielzahl verschiedener Würste im Angebot. Teilweise mit sehr kreativer Namensgebung, ihm scheint es Spaß zu machen, eigene Wurstsorten zu kreieren. Das Kilo Aufschnitt kostet 12,90 Euro, und da er von jeder Sorte nur 2-3 Scheiben nimmt, stellt er auch einem Einpersonenhaushalt, der seine 200 oder 300 Gramm kaufen möchte, eine reichhaltige Auswahl zusammen. Auf Wunsch auch mit Schinken. Lecker. *schmatz*
Wie gesagt donnerstags und samstags auf dem Kronenplatz. Oder:
Landgasthof und Pension Adler
Familie Dietel
Kinzigtalstraße 31
72275 Alpirsbach-Ehlenbogen
Tel. 0 74 44 - 22 15 Fax 45 88
e-mail adler@alpirsbach.com