Wisst Ihr, wer Johann Peter Hebel war? - Ja, der mit dem “Schatzkästlein” und den Kalendergeschichten. Der war eigentlich evangelischer Pastor im Südbadischen, wurde dann aber hier nach Karlsruhe an das Gymnasium versetzt. Diese Schule besserte ihre Einnahmen durch die Herausgabe eines Kalenders auf, und dessen Redaktion übernahm der Herr Hebel dann als Teil seiner neuen Aufgaben. Der Kalender war für die Schule eine prima Einnahmequelle, denn es bestand Abnahmepflicht: Die Kalenderverkäufer, meist Kriegsinvalide, die diesen speziellen Kalender verkauften, wurden im Gegensatz zu ihren Kollegen - es gab diverse Kalender zu jener Zeit - von Polizisten begleitet. Jeder Haushalt mußte einen solchen Kalender erwerben. Und dabei war das gar keine Hofberichterstattung, im Gegenteil mußte sogar einmal ein kompletter Jahrgang auf Beschluß der Zensur nachträglich eingestampft werden, in dem Herr Hebel sich über die katholische Eucharistieverehrung lustiggemacht hatte. Und wert war der Kalender seinen Preis jedenfalls auch, sonst würden Hebels Kalendergeschichten nicht bis heute im Deutschunterricht behandelt (ich sage nur “Kannitverstan”, “Der Barbierjunge von Segringen” oder “Unverhofftes Wiedersehen”). Da war es doch nur billig, daß der Großherzog alle Haushalte um ihrer eigenen Bildung willen mit diesem vorzüglichen Kalender ausgestattet sehen wollte und ein entsprechendes Gesetz erließ, oder?
Dem Johann Hebel aber war das sehr peinlich, und er zog dagegen zufelde. Denn er hatte den noblen Anspruch, genug freiwillige Käufer zu finden eben gerade aufgrund der Unabhängigkeit und der hohen literarischen und kalendarischen Qualität seiner Werke. Er verabscheute es, von unfreiwillig gegebenem Geld leben zu sollen und wollte sich diese Einnahmen lieber ehrlich verdienen. Er war ja weder krank noch alt noch sonstwie außer Gefecht gesetzt, warum sollte er da andern Leuten zur Last fallen.
So. Nun denkt mal drüber nach, warum ich öffentlich-rechtliche Journalisten verachte.