Gründe für Ausbildungsabbruch

Die Süddeutsche berichtet, daß die Ausbildungsabbruchquote bei 25,8% liegt. Seit mindestens 30 Jahren liegt sie so zwischen 20 und 25 Prozent (über alle Ausbildungsberufe/Regionen/Firmen, mit sehr starken Unterschieden). Das ist ungefähr drei Prozentpunkte weniger als beim Studium, nur um das gleich mal zu relativieren.

Ich finde es völlig in Ordnung, wenn der erste Schuß daneben geht. Beim zehnjährigen Abitreffen haben wir damals durchgezählt, und alle, die nach dem Abi direkt mit dem Studium begonnen hatten, haben es abgebrochen oder nach Abschluß noch etwas anderes draufgesetzt, sind jedenfalls nicht bei dem zunächst gewählten Fach geblieben (was heute, ohne Wehr- und Zivildienst, ja schon dicht an 50% Abbrecherquote käme, weil das zweite Studium ja auch in die Statistik eingeht). Also das ist nicht neu.

Nur: Eigentlich wird man in der Ausbildung besser begleitet und könnte auch allenfalls am Ende „rausgeprüft“ werden. Und vor allem hat man vorher ein Auswahlverfahren durchlaufen, während man sich ja auch ohne jedes Talent für sehr viele Studiengänge immatrikulieren kann. Gerade diese Auswahlverfahren sollten sich also der Frage stellen, wie’s kommt, daß sie bei jedem vierten Jugendlichen versagen. Ich persönlich bin der Überzeugung, daß man beim Auswahlverfahren garnicht kritisch genug sein kann (beide Seiten!) und die Betriebe im Zweifel lieber Plätze unbesetzt lassen sollten als „auszuprobieren“, ob jemand geeignet ist. Dann lieber bspw. ein Praktikum vorschalten.

Im Süddeutsche-Artikel wird eine Gewerkschaftsfrau zitiert, die die Abbrecherquote mit der Vergütung korreliert und höhere Ausbildungsvergütungen fordert. „Viele steigen vorher aus, da sie mit der kargen Vergütung nicht über die Runden kommen.“ Nur: Dafür ist die Ausbildungsvergütung ja auch überhaupt nicht gedacht. Bei Azubis sind genau wie bei Studis im Regelfall die Eltern unterhaltspflichtig. Punkt.

Die Korrelation ergibt sich meiner Meinung nach eher so: Schlecht bezahlte Ausbildungen sind eher „einfacher“ und auch für weniger talentierte oder ausbildungsreife Jugendliche offen, und da wird’s dann noch schwieriger, die Ausbildungsfähigkeit zutreffend vorab einzuschätzen, und/oder es wird zu wenig in die Begleitung und Förderung der schwachen Azubis investiert.

Tatsächlich glaube ich, daß viel Abbruch von falscher Einschätzung des Berufsbildes (könnte man duch Praktika lösen – manche Jugendliche haben in ihren Schulferien mehr als ein halbes Dutzend absolviert, andere null) oder des nötigen Aufwands herrührt. Daß man für einen exzellenten Abschluß und hochwertige anschließende Berufsschancen in eine Ausbildung ebensoviel Zeit investieren muß wie in ein Studium, also auch mal abends und am Wochenende die Nase in Bücher oder an den Bildschirm stecken, das ist manchen Jugendlichen (und Eltern) nicht klar. Wer glaubt, mit einer 40h-Woche nach drei Jahren zur Elite zu gehören, der ist entweder ganz außergewöhnlich begabt, oder er irrt. Ich halte die Jahre der Berufsqualifikation, egal ob Studium oder Ausbildung, für die anstrengendsten des Lebens. Dessen sollte man sich bewußt sein, wenn man nach der Schule die nächste Lebensphase plant.

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Eine Antwort auf Gründe für Ausbildungsabbruch

  1. MSA sagt:

    Guter Beitrag, den ich so unterschreiben kann!

    Während es auch später im Leben bei berufsbegleitender Fortbildung oder Studium noch sehr anstrengend werden kann.

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