Hysterie

Ich hab dazu ja schonmal was geschrieben, und immer wieder juckt es mich in den Fingern, aber fast immer verkneife ich es mir. Aber manchmal, da wünsche ich mir echt Zustände wie damals vor fast 50 Jahren, als Demonstranten die Polizei foppten, indem sie im Weihnachtstrubel mit Paketen unter dem Arm herumliefen. 20 Jahre später konnten wir als Jugendliche uns nicht vorstellen, daß jemand Angst haben könnte, diese Pakete enthielten Bomben. Und heute? Heute genügt ein ganz normaler Brief an das Amtsgericht, bloß etwas dicker und ohne Absenderangabe. Also, wenn Ihr mal wieder Bomben verschickt: Schreibt irgendeinen Absender auf den Umschlag. Aber vielleicht wäre es doch sicherer, nur noch Postkarten mit der Post zu befördern?

Wann werden die ersten Schüler auf die Idee kommen, auf diese Weise Schulevakuierungen zu provozieren? Einfach einen „auffälligen“ Brief an’s Sekretariat schicken? So, wie ein an einer Straßenbahnhaltestelle liegengelassener Turnbeutel oder Rucksack den Verkehr erfolgreich stundenlang blockiert? Was wäre erst mit einem herrenlosen Koffer in einem Zug? – Oh, stop, das haben wir ja ständig im Eingangsbereich der ICE-Wägen. Da sind sie nicht gefährlich. Gefährlich sind sie nur an abgelegenen, menschenleeren Bahnsteigen. Weil Terroristen sind ja blöde und keineswegs auf Schadensmaximierung bedacht.

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2 Antworten auf Hysterie

  1. Mirko Friedenhagen sagt:

    Risikomanagement ist offensichtlich nichts, was man Leuten vermitteln kann.
    Einsamer Rucksack ruft die Polizei auf den Plan, Straße überqueren bekümmert niemanden.

  2. fpf sagt:

    Eben grade: Bahnverkehr von Karlsruhe in die Pfalz ist witterungsbedingt gestört. Seit mindestens zwei Stunden stehen am Bahnsteig von Gleis 1 zwei Rollkoffer, drumrum niemand zu sehen. Vermutlich haben die Koffer zwei Stunden überstanden, weil an ihnen vier schmuddelige Baumwolleinkaufstaschen hängen. 🙂
    Jetzt aber die Durchsage, „der Besitzer“ möge „sofort“ zu seinen Koffern kommen. Die ältere Frau, die mir gegenübersitzt (schläft?) im beheizten Warteraum (ziemlich am anderen Bahnsteigende, ohne Sichtkontakt zu den Koffern), ächzt und rappelt sich sehr mühsam auf. Und schlurft zu ihren Koffern. Hat sie ja nochmal Glück gehabt.

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