Deutsche Bank

Ich stelle grade verwundert fest, daß ich dazu damals garnicht geblogt hatte. Vermutlich war ich so sauer, daß ich persönlich und ausfallend geworden wäre – und schon rechtlich sollte man sich wohl auf eins von beidem beschränken.

Kurzfassung: Irgendwann vor ca. acht Jahren habe ich alle meine Konten bei der Deutschen Bank gekündigt (Girokonto, Sparbuch, Depot, Bausparvertrag). Heute erreicht mich ein Brief, der mich auffordert, denen nun endlich zu sagen, wohin sie das Restguthaben des Depots von 0 Euro überweisen sollen, weil sie es sonst dem Amtsgericht Frankfurt anvertrauen und ich die Kosten tragen soll. Das Depot haben sie jetzt nämlich endlich ihrerseits aufgelöst, weil sie gemerkt haben, daß ich ihnen nie einen Personalausweis vorgezeigt habe. Seit 1991 nicht.

Langfassung:

Vorspiel: Zu Beginn meines Studiums benötigte ich erstmals ein Girokonto. Damals, 1991, vor 25 Jahren, stach die Deutsche Bank dadurch hervor, daß sie als einzige für mich erreichbare Bank keine Kontoführungsgebühren von Studierenden nahm. Später hab ich dort auch einen sehr attraktiven Bausparvertrag (4,5%!) abgeschlossen und, weil’s kostenlos war, ein Depot eröffnet. Dieses Depot war nie in Verwendung, weil sich meine Aktien bei der DAB befinden. Denn die bot schon sehr früh Online-Aktienhandel an.

Erster Akt:Ich hatte grade mein Haus gekauft und verfügte daher über zwei Girokonten, weil die Sparda ihren Kredit zwingend an ein solches bindet. Eigentlich wollte ich aber schwerpunktmäßig bei der Deutschen Bank bleiben, weil Gewohnheit und so.

Die Deutsche Bank sperrte nun aber plötzlich meine Kreditkarte und sandte mir eine neue zu, deren Konditionen im Jahr etwa 5 Euro Einsparung für mich bedeuten. „Kundenservice“ sei das, eine aufmerksame Sachbearbeiterin. Dumm nur, daß ich für diese 5 Euro überall die neue Kreditkartennummer hinterlegen müßte, obwohl ich gerade erst sechs Wochen zuvor turnusmäßig eine neue Karte und damit verbunden leider auch eine neue Nummer erhalten hatte. Also wenn überhaupt, dann macht man sowas doch bitte bei diesem obligatorischen Kartenwechsel und nicht wenig später einfach, weil grade eine Marketingaktion läuft. Ich war also stinksauer, sandte die Karte zurück und wollte, daß sie meine alte reaktivieren. Das ginge aber technisch nicht, ich könne jedoch gerne (natürlich untertags) zum nun für mich zuständigen Sachbearbeiter zur Beratung kommen. Ich fühlte mich wie eine wandelnde Bombe – es wäre sehr ungesund für diesen Herrn gewesen, wenn ich ihn besucht hätte. Schlampereien und Fehler werden gemacht, aber dann muß man eben danach dafür sorgen, daß beim Kunden keine Aufwände hängenbleiben.

Zweiter Akt: Von meinen Kundenservice-Azubis weiß ich: Beschwere Dich niemals einfach so bei der Hotline, beschwere Dich immer beim Vorstand. Denn dann landet Deine Beschwerde bei einem besser geschulten Team. Ich schrieb also Herrn Dr. Ackermann einen eingeschriebenen Brief, schilderte meinen Ärger und bat erneut um eine Lösung. Ich bekam eine Antwort von einem Referenten, der mir mitteilte, man habe meine Akte angeschaut und kein Fehlverhalten der Mitarbeiter feststellen können. Sie hätten, damit ich Geld spare, meine Kreditkarte umgestellt und mir danach ja angeboten, mir das in einer Beratung zu erklären. Ich bekam Angst um meinen Blutdruck. Und war kurz davor, den Sachbearbeiter, dessen Adresse das Internet hergab, mal abends außerhalb meiner Arbeitszeiten besuchen zu gehen.

Dritter Akt: Die logische Konsequenz aus meiner Sicht war, daß ich erneut Herrn Dr. Ackermann anschrieb und alle zwischen mir und der Deutschen Bank sowie ggf. ihren Töchtern bestehenden Verträge kündigte. Ich gab ihm auch die Daten meines Sparda-Girokontos zur Überweisung des Restbetrags. (Um den erwähnten Bausparvertrag tat es mir wirklich leid.) Dies wurde mir dann auch schmallippig wie von mir erbeten schriftlich bestätigt.

Nun muß man auch noch wissen, daß die Deutsche Bank ihre Post immer anonym versendet. Also man erkennt die Post natürlich, die Umschläge sehen immer gleich aus, aber einen Absender tragen sie nie. Vermutlich dachte sich in den 60ern oder so mal jemand, daß das sicherer sei, wenn die Nachbarn nicht „aus Versehen“ die Auszüge angucken können.

Seither bekomme ich alle paar Monate einen solchen Umschlag, der mir mitteilt, daß sich auf meinem Depot weiterhin 0 Euro und 0 Dollar befinden. Es war ja auch nie anders, nicht für eine Sekunde. Allerdings ist das Depot, wie gesagt, seit etwa acht Jahren gekündigt. Aber da es mich ja nichts kostet, werfe ich diese Umschläge mittlerweile meist einfach ungeöffnet weg und „fertig“.

Finale: Irgendwann bemerkten sie, daß sie seit Kontoeröffnung 1991, also vor 25 Jahren, noch nie irgendein Ausweisdokument von mir gesehen hatten, und zusätzlich zu den Auszügen bekam ich nun Aufforderungen, ein solches vorzuzeigen. Diese Aufforderungen kamen erst in sehr langen Abständen, später in kürzeren und mit steigend drohendem Tonfall. Jedenfalls die, die ich geöffnet und gelesen habe.

Dann, vor etwa einem Monat, teilten sie mir mit, daß sie nun endlich auch das Depot auflösen. Allerdings in ihrer Welt aufgrund meiner beharrlichen Weigerung, mich auszuweisen und nicht etwa aufgrund einer vor vielen Jahren von mir eingeschrieben übermittelten und von ihnen schriftlich quittierten Kündigung.

Und heute eben das eingangs erwähnte Schreiben mit der Drohung, daß sie die 0 Euro beim Amtsgericht Frankfurt/Main hinterlegen. Vermutlich auch die 0 Dollar, oder werden die in den USA hinterlegt? Jedenfalls hätte, so die Deutsche Bank, ich die dadurch ggf. entstehenden Kosten zu tragen. Übrigens wie immer in einem Brief, auf dessen Umschlag kein Absender steht, den man also nichtmal bouncen lassen könnte.

Meine Fresse. Ich wüßte wirklich gerne, ob sich seit meiner Kündigung auch nur ein einziges Mal ein leibhaftiger Mensch meine „Akte“ dort angeschaut hat oder ob das, was ich da an Post abbekommen habe, alles vollautomatisch generiert worden ist.

Meine Vorurteile über Banker wurden jedenfalls von der Realität überholt.

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