Handschlag zwischen Mann und Frau

Auf den ersten Blick ist die Sache mit den „aus religiösen Gründen“ verweigerten Handschlägen muslimischer Schüler oder Väter gegenüber Lehrerinnen ja einfach. Man wundert sich, daß den Damen nicht die Hand ausrutscht angesichts einer solchen Flegelei und bewundert ihre Contenance. Der Handschlag ist eine in Deutschland übliche Form der Begrüßung, und fertig. Bin ich in Frankreich, und mein Umfeld dort begrüßt sich mit Küßchen, muß ich auch mitmachen (btdt vielemale). Ähnliches gilt für Begrüßungsrituale anderer Traditionen. Andere Länder, andere Sitten, und wer zu Besuch ist oder gar dauerhaft bleiben will, der muß sich anpassen – nicht die Gastgeber. Sonst muß man halt wieder gehen.

Allerdings gibt es auch innerhalb Deutschlands verschiedene Gepflogenheiten, was das Händeschütteln angeht. In den letzten vielleicht 15 Jahren scheint es wieder auf dem Vormarsch zu sein. Während meiner Schul- und Studienzeit wäre niemandem in meinem Umfeld eingefallen, andere als die engere Familie mit Handschlag zu begrüßen. (Mit der einen Ausnahme eines (Arbeiter-)Mandolinenorchesters, dort war das quasi verpflichtend.) Ich glaube nicht, daß ich oder meine Eltern während meiner Schulzeit auch nur einem Lehrer je die Hand geschüttelt hätten. Obwohl meine Eltern bei jedem Lehrersprechtag von mindestens einem Lehrer einbestellt waren und auch hingingen… Auch heute bin ich relativ selektiv, wem ich die Hand reiche, und ich hasse es umgekehrt, wenn mir Hände aufgedrängt werden, bspw. wenn ich bei einem Stammtisch gerade beim Essen bin und irgendwelche Leute erwarten, daß ich das unterbreche und ihnen ihre mutmaßlich ungewaschene Hand schüttle. Ich beuge mich dann, um den anderen nicht zu düpieren, aber ich bin stinksauer dabei.

Die Unhöflichkeit liegt also zunächst mal bei dem, der mir die Hand hinstreckt, ohne sich dafür zu interessieren, ob ich sie überhaupt schütteln möchte oder nicht. Und so war es ja auch üblicherweise bei diesen schulischen Vorfällen. Wenn es stimmt, daß in Berlin die Lehrerin dem Imam viermal die Hand hinhielt, dann fehlt es der Lehrerin an Kinderstube. Daß sich auch der Imam wie ein Flegel benommen hat, sagte ich eingangs schon, das ist aber „nur“ der zweite Schritt nach einer groben Unhöflichkeit der Lehrerin.

Ich bin wahrlich nicht dafür, vor fremden Gepflogenheiten zu kuschen, wenn es einen Grund dagegen gibt. So sollten Lehrer selbstverständlich das Gesicht ihrer Schülerinnen sehen und beim Sportunterricht auch Teile ihrer Körper. Und wenn der Lehrplan Sexualaufklärung vorsieht, dann müssen da auch Fundamentalchristen und -moslems dran teilnehmen. Wo aber der Handschlag keine Geste der Höflichkeit mehr ist, sondern Machtausdruck, da hat er seinen Sinn ja eh schon längst verloren.

Dieser Beitrag wurde unter Kultur veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten auf Handschlag zwischen Mann und Frau

  1. -thh sagt:

    „Während meiner Schul- und Studienzeit wäre niemandem in meinem Umfeld eingefallen, andere als die engere Familie mit Handschlag zu begrüßen.“

    Das muss dann lokal geprägt sein – ich habe das nie anders kennengelernt.

    „Die Unhöflichkeit liegt also zunächst mal bei dem, der mir die Hand hinstreckt, ohne sich dafür zu interessieren, ob ich sie überhaupt schütteln möchte oder nicht.“

    IBTD. Das Händeschütteln ist eine hierzulands übliche und vollkommen alltägliche Begrüßungsgeste, die zu den allgemeinen Höflichkeitsformen gehört; es ist daher selbstverständlich, zur Begrüßung die Hand auszustrecken, und unhöflich handelt allein der, der sie nicht schüttelt.

    Das gilt natürlich nicht in jeder Situation; wenn jemand gerade isst, ist es nach meinem Empfinden fraglos unhöflich, ihn dabei zur Begrüßung zu unterbrechen – immerhin müsste er dazu den Bissen im Mund kauen und schlucken, das Besteck ablegen, die Serviette zusammenlegen und aufstehen.

    „Wo aber der Handschlag keine Geste der Höflichkeit mehr ist, sondern Machtausdruck, da hat er seinen Sinn ja eh schon längst verloren.“

    Da sind wir wiederum beieinander. Ich halte es auch für unhöflich, bei der Begrüßung nicht die Hand zu schütteln, insbesondere, wenn das nur bestimmten Menschen gegenüber geschieht (seien das Frauen, gefühlt geringer gestellte, „Unreine“ oder auch wie auch immer). Das ist aber – jedenfalls unter erwachsenen Menschen – kein Grund, den Handschlag wiederholt einzufordern. Man stelle sich vor, jemand versuche auf diese Weise die Begrüßung mit Küßchen einzufordern – da beginnt die Grenze zur sexuellen Belästigung fließend zu werden. 🙂

    Möglicherweise mag das aber im konkreten Fall eine déformation professionnelle gewesen sein. Einem gebräuchlichen Vorurteil zur Folge endet der Wunsch mancher Lehrer, andere zu be-lehr-en, nicht mit dem Ende des Unterrichts. Eine Tendenz zur Rechthaberei wird diesem Berufsstand – aus eigener beruflicher Erfahrung möchte ich sagen: manchmal nicht ohne Grund – ja durchaus nachgesagt.

  2. Anton Hammermann sagt:

    Hallo,
    mein Name ist Anton, ich bin 32 und meine Hobbys sind Tabeldance und Freunde treffen.
    Ich finde das Thema Händeschütteln und Begrüßungsrituale ein hoch interessantes Thema.
    Meine Doktorarbeit 2009 befasste sich mit interkulturellen Begrüßungsritualen.
    Meine persönliche Meinung ist das es sehr gut ist sich gegenseitig die Hände zu schütteln.
    Dadurch wird ein persönlicher Kontakt hergestellt und manchmal sogar fast eine intim-erotische Atmosphäre.
    Dies hängt natürlich stark von der „Hand„ ab die man schüttelt.
    Einmal gibt es kleine schwitzige Hände mit Wurstfingern, die ich keinesfalls in meiner südlichen Hemisphäre haben möchte…
    Dann gibt es aber auch große, starke Schraubstockhände mit langen Fingern.
    Das finde ich um einiges attraktiver.
    Ich finde Begrüßung sollte unter dem Motto „Haut an Haut, da werden wir laut“ stattfinden.
    Desweiterenn in ich immer offen für Handkontakt – desto mehr desto besser.
    Mein Bruder hat große und starke Hände.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.