Christentumskern

Der sozusagen Höhepunkt der christlichen Lehre ist die Feindesliebe. Genauer: Die Liebe zu Gott, zum Nächsten und zu sich selbst, wobei beim „Nächsten“ eben völlig egal ist, ob es sich um Freund oder Feind handelt. Dabei ist „Liebe“ weder im Sinne von Verliebtheit oder Erotik, noch aber auch einfach nur im Sinne von Barmherzigkeit oder Ertragen gemeint. Jeder Andere ist Gottes geliebtes Kind, egal wie er sich benimmt und egal was für einen Charakter er hat. Und Gottes ausdrücklicher Wunsch ist, daß auch ich ihn so liebe, wie Gott ihn liebt. Den konkreten Anderen, den Nächsten eben mit seinen Ecken und Kanten – nicht irgendein fernes Abstraktum.

Das wird nicht gelingen. Das haben Gottes Erwartungen an uns öfters mal so an sich, daß sie uns überfordern (siehe Bergpredigt). Das ging den Jüngern schon zu Lebzeiten Jesu so (allen voran Petrus). Aber wir wachsen ja auch nur, wenn es für uns noch unerreichte Ziele gibt. Für den Polstersessel im Himmel wird’s nicht reichen, sonntags in der Kirche gewesen, für „die Armen“ gespendet oder am Familienkreis teilgenommen zu haben. Satte Selbstzufriedenheit ist der größte Feind jedes Menschen, egal welcher Weltanschauung, weil sie ihn hinter seinen Möglichkeiten zurückbleiben lässt.

Ich bin kein Theologe, und selbst wenn ich einer wäre wäre das hier das falsche Medium, diese Aussagen nun komplett durchzudeklinieren. Man müßte noch zwischen Tat und Täter trennen, von Verteidigung reden, von der Dreifaltigkeit, vom Kreuzestod und vieles andere mehr. Aber darum geht es mir hier nicht. Ich schreibe das, weil ich in jüngerer Zeit mal wieder öfter über nivellierendes Gerede gestoßen bin à la „alle Religionen sind doch im Kern gleich“. Sind sie nicht. Und eigentlich weiß das auch jeder, jedenfalls in unserem Kulturkreis, denn der Eingangssatz ist jedem irgendwie geläufig. Damit ist für mich keine Wertung verbunden, ob eine Religion nun besser als die anderen sei (eine Meinung dazu hab ich natürlich). Aber „gleich“ sind sie eben gerade in ihrem Wesenskern nicht.

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