Polizisten im Verkehr

Meine Meinung über Polizisten ist gespalten. Einerseits bin ich froh über das staatliche Gewaltmonopol, und die Durlacher Polizei hat mir auch schonmal nachts vor vielen Jahren geholfen, als ich mich ausgesperrt hatte. Andrerseits schrieb ich ja schonmal, daß ich nicht verstehe, was schwarzvermummte Schlägertrupps bei Fußballspielen verloren haben.

Ich wohne am Durlacher Altstadtring. Der ist „Verkehrsberuhigter Bereich“ (sorry für den WP-Link, aber ich schaff es nicht, zielsicher in die genaue StVO-Stelle zu verlinken: http://www.gesetze-im-internet.de/stvo_2013/anlage_3.html runterscrollen bis Abschnitt 4). Derzeit sind die Parkflächen leider noch so eingezeichnet als gäbe es am Straßenrand ein Trottoir, aber ich hoffe, daß das irgendwann mal Geschichte sein wird (wenn’s nach mir und meinem Verständnis der StVO ginge, würde die Einbahnstraße aufgehoben und entsprechend mehr Ausweichflächen statt Parkflächen benötigt, aber wenn „man“ sich das nicht traut, könnte man ja wenigstens die Parkplätze bspw. schräg auf wechselnder Straßenseite anlegen und so den Pseudo-Gehweg abschaffen und die Autos entschleunigen). Denn derzeit ist fast keinem Autofahrer klar, daß er hier keine 50 fahren darf. Und auch keine 30, selbst wenn man „Schrittgeschwindigkeit“ sehr großzügig auslegt.

Gestern ging ich nun die Kelterstraße Richtung Pfinztalstraße. Ich gehe so, daß Autos an mir vorbeikommen, aber eben nur mit ein bißchen Aufmerksamkeit. Zwei PKW überholen mich mit moderatem Tempo. Ein dritter nähert sich langsam und zögerlich, wie ich es eigentlich nur von Eltern kenne, die ihre Kinder morgens zu spät zur Friedrichschule fahren und die Abmessungen ihrer Panzer nicht verinnerlicht haben (schön geschlechtsneutral formuliert, gell?). Diesmal, es ist kurz vor sechs Uhr abends, ist es aber ein Polizeifahrzeug. Neben mir lässt der uniformierte Beifahrer, mutmaßlich ein waschechter Polizist, das Fenster runter und es entspinnt sich ein Dialog: „Sie gehen auf der Straße“. „Ja, klar, ist doch eine Verkehrsberuhigte Zone?“ (Zu spät fiel mir der Kommentar ein, daß es doch wohl das normalste der Welt ist, auf Straßen und Wegen zu gehen. Die wenigsten gehen über’s Wasser. Es ist aber psychologisch interessant, daß dem Herrn Uniformträger wohl selbst das Wort „Fahrbahn“ in dieser Situation nicht über die Lippen wollte.) „Ja und, Sie gehen trotzdem auf der Straße.“ „Ja äh und?“ An dieser Stelle wurde ich von meinen Gesprächspartnern dann wohl mit dem Prädikat „renitenter Rechthaber“ belegt, und sie beschleunigten abrupt stark (wie ich es eher von südländischen Halbstarken gewöhnt bin) und brausten – mit gewiß mehr als 30km/h – davon, um vorne dann nach Westen abzubiegen. Da sei mir noch der Hinweis erlaubt, daß schon an der Kanzlerstraße ausdrücklich ein Schild steht, das genau diesen Verkehr (gen Karlsruhe/Autobahn) dort bereits aus dem Altstadtring auslenken soll.

Ich ringe noch mit mir, dem Durlacher Polizeiposten zwei Ausdrucke des entsprechenden StVO-Paragraphen vorbeizubringen. Mann, mann, mann. Wenn die beiden ihre Dienstwaffen so sicher beherrschen wie die StVO, dann werden sie sich leider öfters mal in die Füße schießen. Wohin kommandiert man denn Polizisten ab, die man nichtmal den Verkehr regeln lassen möchte?

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2 Kommentare zu Polizisten im Verkehr

  1. mk sagt:

    Hi Felix,

    das hast Du gelesen? „Wer zu Fuß geht, darf den Fahrverkehr nicht unnötig behindern.“ Ob Du das unnötig machst, weiß ich nicht, aber die Passage, wie Autos an Dir dort vorbeikommen, liest sich wirklich wie Rechthaber. Oder Erzieher 😉

    • Felix sagt:

      Ja gewiß. Aber erstens ist „unnötig“ dehnbar (darf man von mir verlangen, mich an einer Hauswand entlangzudrücken, wenn 2m nebendran eine bequeme breite Fläche zum Gehen einlädt?). Zweitens und vor allem weiß ich zwar, daß einige Juristen sehr sportliche Ansichten über das Schreiten haben, aber selbst die IMHO nun wirklich völlig abwegigen 15km/h des Leipziger Amtsrichters liegen noch deutlich unter dem Tempo, mit dem man gut und unbehindert an mir vorbeikommt. Nur: Mit 30km/h halt nicht mehr.

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