Unfallbeobachtungen

Hab heute zufällig einen Unfall mitbekommen und war etwas über die Polizei erstaunt (über die Formulierungen der verlinkten KVV-Meldung bin ich noch erstaunter): Gegen zehn vor fünf heute Nachmittag muß eine S5 bei der Einfahrt von Osten her in die Haltestelle Europaplatz eine/n Fußgänger/in erwischt haben. Sie stand danach so, daß sie die Karlstraße und beide Weichen blockierte. Der Bahnverkehr von Westen her war unbeeinträchtigt, der von Süden konnte nur nach Osten fahren, und der von Osten mußte warten.

Recht schnell war ein Rettungswagen da, kurz danach ein Notarzt (beide vom Westen). Etwas später kam über die Karlstraße die „12“ der Verkehrsbetriebe mit Blaulicht über die Gleise und durch die Europaplatz-Haltestelle in der Karlstraße auf dem Gegengleis. Bis dahin hatten die aus der Karlstraße kommenden Bahnen schon begriffen, daß sie ostwärts fahren müssen, um die Haltestelle zu räumen. Ob man weiter südwärts über den Weinbrennerplatz umleitete weiß ich nicht, glaub ich eher nicht, weil während der gesamten Zeit weiterhin diverse eigentlich westwärts sollende Bahnen vorbeikamen. Highlight war eine S1 mit Beschilderung „Hochstetten“, deren Fahrer recht spät realisierte, daß er nicht nach links kann, so daß er mit Weichenbengel und Schlüssel bewaffnet aussteigen mußte. Ein Vater filmte den Unfall mit seinem Smartphone und war so gefesselt, daß er nicht bemerkte, daß der von ihm geschobene/verantwortete Kinderwagen auf dem Gleis stand, bis die klingelnde Bahn ihn fast mit der Nase wegstupste.

Deutlich nach den anderen Blaulichtern kam ein PKW der Polizei die Karlstraße hoch. Und statt wie der 12er über die Gleise blieb er auf der Fahrbahn und fordete die dort zweireihig stehenden Autos auf, ihm eine Gasse freizumachen. Ihr könnt Euch vorstellen, wie das aussah und wie lange das dauerte. Dabei mußte er, endlich vorne, dann natürlich doch über die Gleise in die Haltestelle einfahren, um sich vor Notarzt und Rettungswagen zu stellen.

Die Autos standen da halt. Der havarierte Zweisystemer versperrte ja die Karlstraße nördlich des Europaplatzes. Irgendwann kamen welche weiter hinten auf die Idee, über die Erbprinzenstraße abzufahren. Die ist da, meine ich, zunächst verkehrsberuhigt und später eine Fahrradstraße. Namentlich das vorderste Auto (mit Karlsruher Kennzeichen) stand aber ewig, so daß andere drumrum fuhren und entweder in die Kaiserstraße (Fußgängerzone) einbogen oder, völlig pervers, hinter der Unfallbahn über den Fußweg und die Fußgängerampel zurück auf die Karlstraße zu fahren, zwischen allen dort befindlichen Masten, Kästen, Fußgängern etc. durch. Dickere Autos trauten sich das nicht, aber insgesamt so sieben oder acht. Ein Südländer versuchte gar, die Fußgänger aus der Fußgängerzone wegzuhupen. Letztlich ergoß sich ein dichter Fahrzeugstrom (zwei Spuren aus der Karlstraße) in die Fußgängerzone.

Was nicht erschien, war irgendjemand zur Lenkung des Straßenverkehrs, der den Autos schon bei der letzten regulären Kreuzung bedeutet hätte, daß die Karlstraße nordwärts derzeit nicht befahren werden kann. Es scheint in ganz Karlsruhe samstagnachmittags nur einen verfügbaren Polizisten zu geben, und der war von der Unfallaufnahme völlig ausgelastet. Also daß da eine halbe Stunde lang in dichter Folge Autos durch die samstäglich volle, durch Baustellen eh verengte Fußgängerzone fuhren, ganz zu schweigen von den Chaoten, die wie erwähnt um die Bahn herumzuschleichen versuchten, das scheint aus Sicht der Polizei kein größeres Problem darzustellen. Denn bspw. ein quergestelltes Motorrad weiter südlich hätte ja genügt, das abzustellen.

Gegen viertel sechs (17:15 für die Generation Pisa) kam dann noch der 13er der Verkehrsbetriebe und ein zweiter Polizeiwagen, und dann fuhr der betroffene Zweisystemer weiter nach Westen, und der Rückstau hinter ihm begann, sich aufzulösen.

Dieser Beitrag wurde unter Karlsruhe, Politik, Verkehr veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.