Sonderfahrt und Mitgliederversammlung des TSNV

204 als S5 beschildert am Bf DurlachGestern konnte ich mit großem Genuß 14 Stunden meiner Lebenszeit Karlsruhes historischen Straßenbahnen widmen, denn der „Treffpunkt Schienennahverkehr e.V. (TSNV)“ hatte sein Jahrestreffen.

Also wenn Du gegen dreiviertel acht zur Tullastraße fährst und da ein Fuzzy mitten auf der Durlacher Allee steht um einen Bus der Linie 5E zu knipsen (einen hundsgewöhnlichen Citaro), wenn dann wenig später zwei ca. Zwölfjährige an der Haltestelle über den ET2010 fachsimpeln und bei jeder auftauchenden „S“-Bahn beratschlagen, ob das wohl der Sonderzug ist, dann ist es so weit, dann ist der große Tag.

Der TSNV kümmert sich in Karlsruhe um Restauration und Betrieb historischer Straßenbahnen (und (leider bislang nur) eines Omnibusses) und arbeitet hier eng mit den Verkehrsbetrieben zusammen – jedenfalls immer wenn die mitspielen. Der Anblick der „historischen Ringlinie“ in der Adventszeit ist wohl jedem Karlsruher vertraut, auch Sonderlinien etwa zur Frühjahrsmesse oder mietbare Sonderfahrten für Gruppen sieht man immer mal wieder. Außerdem besitzt der TSNV eine große Bibliothek, veranstaltet wöchentliche Vereinsabende, oft sehr interessante Vorträge und immer mal wieder Sonderfahrten. So auch direkt vor der eigentlichen Jahreshauptversammlung.

Als Fahrzeug war Gelenktriebwagen 204 ausgewählt worden, da diese Gruppe von Fahrzeugen vermutlich in absehbarer Zeit ausgemustert werden wird. (Falls Vossloh von Bombardier gelernt haben sollte, wie man’s nicht macht und auf Anhieb Fahrzeuge liefert, die den Anforderungen der Behörden und der Verkehrsbetriebe genügen ohne jahrelange Nachbesserungen…) Wagen 204 verfügt noch über Holzsitze und ist der letzte „Direktgesteuerte“ mit Nebelscheinwerfern.

Wir befuhren mit der Bahn alle möglichen Strecken des Straßenbahnnetzes. Wolfartsweier, Daxlanden, Hauptbahnhof, Neureut-Heide, Waldstadt, Durlach waren beispielsweise Zwischenziele. Immer wieder auf der Strecke wurde zum Photographieren angehalten. Für die Nicht-Pufferknutscher eine kurzer Erläuterung: Wenn 20-30 Leute gleichzeitig eine stehende Straßenbahn ablichten wollen, dann funktioniert das so, daß schon der Fahrer vor dem Öffnen der Türen eine Empfehlung gibt, von welcher Richtung man die Bahn an dieser Stelle am besten „aufchippen“ kann. Aus Rücksichtnahme auf jene mit Festbrennweite (hat hier jemand „Handykamera“ gesagt?) wird dann relativ weit weggegangen vom Zug, und alle stellen sich mehr oder weniger in einer Linie auf und drücken ihre Auslöser. Das Ergebnis sind Dutzende vergleichsweise langweiliger, weil fast identischer Aufnahmen.

Will man sich dem entziehen, so muß man dabei im Auge behalten, den anderen nicht in’s Bild zu geraten. Also andere Perspektiven sind „erlaubt“, aber natürlich nur von Positionen entsprechend weit weg/seitwärts. Oder man knipst schneller als die anderen. Oder langsamer. Es war bewölkt (um genau zu sein: Es regnete leicht), von daher mußte auf den Stand der Sonne immerhin keine Rücksicht genommen werden.

Anschließend war gemeinsames Mittagessen im Schlachthof, wo dann auch die Jahreshauptversammlung stattfand. (Wobei der dort aktuelle Pächter zwar über sehr aufmerksame Bedienungen, nicht aber über eine gut organisierte Küche zu verfügen scheint. Wenn man schon vorher erfragt, wieviele Portionen von welchem der zehn Hauptgerichte gewünscht werden, und wenn die Gäste pünktlich eintreffen, dann könnte man wenigstens die kalten Hauptgerichte fertig haben und geschwind auftragen, statt zunächst ein wildes Durcheinander einzelner Speisen zu bringen und erst, wenn die ersten Pizzen schon lange gegessen sind, dann die letzten Wurstsalate.)

Sogar Dr. Dieter Ludwig beehrte uns mit seinem Besuch, während Walter Casazza (ich bin nicht bereit, ihn als „Nachfolger“ von Herrn Dr. Ludwig zu bezeichnen, das wäre grob irreführend) seine Vereinsmitgliedschaft bereits wieder aufgekündigt hat. Da die Satzung vorsieht, daß neue Vereinsmitglieder von der Versammlung als Mitglieder bestätigt werden müssen, bin ich selbst seit gestern ordentliches Mitglied des TSNV e.V. (wenn ich sonst schon nicht sonderlich ordentlich bin…).

Nach der Sitzung ging es nochmal mit dem 204 durch die Stadt, solange man mit ruhiger Hand oder Stativ noch Bilder machen konnte. Ein Abendessen im Pizzahaus beschloß den Tag. Sehr fein. Großes Kompliment an die Organisatoren für diese gelungene, runde Sache.

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Ein Kommentar zu Sonderfahrt und Mitgliederversammlung des TSNV

  1. ToJe sagt:

    Das erklärt zwanglos, was der als Linie 3 beschilderte GT8 an der Lilienthalstraße wollte, den wir am Samstag während des Renovierens meiner neuen Wohnung aus dem Fenster des zukünftigen Schlafzimmers gesehen haben. 🙂

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