KAMUNA @ TSNV

Heute war wieder Karlsruher Museumsnacht. Quält man sich durch die schlecht aufbereiteten Informationen, so findet man, daß einige Einrichtungen hier wirklich Kleinode präsentieren und die Gelegenheit nutzen, überhaupt auf sich aufmerksam zu machen. Sei es das Generallandesarchiv, sei es das Verkehrsmuseum.

Aber mein Highlight heute war der Treffpunkt Schienennahverkehr e.V., der den Verkehrsbetrieben zeigt, wie ein Tag der Offenen Tür aussieht, wenn er richtig gemacht wird. Ich war ja auch bspw. da, als der neue Betriebshof eingeweiht wurde. Da war nix. Also ein paar abgesperrte Niederflurer und eine Kinderbahn der Azubis. Aber die Leitstelle zum Beispiel konnte man nichtmal über Schauwände, Filme oder sonstige Erläuterungen betrachten, von Rundgängen ganz zu schweigen, und auch der Rest des Betriebes blieb im Verborgenen. Meine Meinung zur Öffentlichkeitsarbeit dieses Ladens hab ich ja schon mehrfach hier geäußert.


„In die Tullastraße fahren die Straßenbahnen abends zum Schlafen“, das erklärte mir schon meine Oma. Und früher, als man den Straßenbahnfunk mithören konnte, wenn man im vorderen Teil der Wägen saß, da wurde die Betriebsleitstelle kurz und prägnant „Tulla“ gerufen. Allerdings dachte ich, das eigentliche Depotgebäude sei aus den 50ern. Weit gefehlt, das sehr zweckmäßige und schnörkellose Bauwerk feiert dieses Jahr seinen 100. Geburtstag. Vor wenigen Jahren wurde eine Straße weiter ein neues Depot in Betrieb genommen, und anschließend wurde vor „der Tullastraße“ ziemlich viel von den Gleisanlagen abgebaut, aber grade baut man eine neue Gleisharfe, um wenigstens in die Hälfte des alten Depots wieder von beiden Seiten einfahren zu können. Und der TSNV ist wohl guter Dinge, hier dann ein kleines aktives Museum betreiben zu können. Ich drücke die Daumen.

Heute nun konnte man alle Schätze der fleissigen Vereinsmitglieder bewundern. Die gesamte (überlieferte) Geschichte der Karlsruher Straßenbahn (die ja zum Glück nicht wie in vielen anderen Städten zeitgeistbedingt zwischenrein stillgelegt wurde) war hier durch Fahrzeuge vertreten. Es gab hochinformative Führungen und Vorträge. Ich wußte bis vorhin zum Beispiel nicht, welche Wissenschaft das Schienenschleifen ist. Und wieviel Arbeit die Restauration eines Wagens ist, das kann man sich schon irgendwie vorstellen, aber da mal einen Blick in die Details werfen zu dürfen, vom Lampensockel (Sonderanfertigung der Majolika) bis zum Außenspiegel (hatte der Residenzwagen nie, braucher er heute aber ebenso wie die IWS), von den Blinklichtern (orangene Glühbirnen, auf Umwegen aus Italien, weil sie ja eigentlich in der EU ausgerottet werden) bis zur Verkabelung (5km im Fahrzeug verlegt), das war ausgesprochen interessant.

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