Theaterabo

Ein Theaterabo, das hat man einfach. Jedenfalls jeder spießige Kleinbürger, und jedenfalls ich als Geisteswissenschaftler.

Hatte ich auch jahrelang. Donnerstags. Fand ich toll, daß man beim Badischen Staatstheater den Tag und den Sitz fest auswählen konnte. Aus Mannheim kannte ich das nur so, daß man jedesmal überrascht wird, hier hingegen lernt man seine Nachbarn kennen. Einzig doof fand ich das Format der Karten (wenig weniger als A4), das es ziemlich unmöglich machte, sie bei den anderen Karten im Portemonnaie mitzuführen. Plastik ist schließlich erfunden.

Aber: Eine Vorstellung war stets am Gründonnerstag, und eine war zwischen den Jahren. War da kein Donnerstag, wurde uns sogar eine Vorstellung an einem anderen Werktag untergejubelt, Hauptsache es war ein Termin zwischen 27.12. und 30.12. dabei. Das fand ich schon reichlich ätzend, so unverblümt vermittelt zu bekommen, daß man Füllmasse für ungern besuchte Vorstellungen ist (de facto ist das wohl überall so mit den Abokunden). Zuletzt bekam man zwei Vorstellungen weniger und dafür Gutscheine. (Was ja schonmal dem bürgerlichen Hauptgrund für das Abo, dem inhärenten moralischen Zwang, sich verschiedene Sachen mal anzugucken, widerspricht.) Während man allerdings schon sehr lange Eintrittskarten für das Badische Staatstheater online kaufen kann, konnte man diese Gutscheine (wie andere leider auch) nicht online einlösen. Man mußte also extra anreisen zu den Öffnungszeiten der Theaterkasse.

Nachdem ich deswegen einige Jahre Abstand vom BaSta genommen hatte, dachte ich vor einigen Monaten erneut über ein solches Abo nach. Ging aber nicht online zu kaufen. GEHT ABER JETZT. „Dienstag A“, Untergruppe „A21“ ist meins. Wohliges Gefühl des Bildungsbürgertums durchströmt mich.

Nebenbei möchte ich doch gerne noch drauf hinweisen, daß ein Jahresabo beim Staatstheater mit beispielsweise sieben meist wirklich wunderschönen Opern oder Balletten und drei Schauspielstücken schon für weniger als die Hälfte des Preises eines unüberdachten(!) Stehplatzes beim KSC zu haben ist (70 Euro vs. 169 Euro). Und das Staatstheater hat echte sanitäre Einrichtungen und unterscheidet sich auch sonst in fast jeder denkbaren Hinsicht wohltuend vom Wildparkstadion in seinem derzeitigen Zustand. – Der Effekt für mich ist hoffentlich der gleiche: Abschalten, entspannen, wohlfühlen.

Dieser Beitrag wurde unter Karlsruhe, Kultur veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.