Idiotische Schaffner

Ich lobe hier normalerweise die Bahn und ihr Personal. Aber grade hätte ich vollstes Verständnis, wenn der Knilch verdroschen würde, der hier die Verantwortung trägt… Der ICE ist halb und wird daher als „stark genutzt“ angekündigt. In Frankfurt/Flughafen werden uns 25 Euro angeboten, wenn wir eine andere Verbindung wählen. Klingt gut. Nur fährt die nächste „Verbindung“ in Richtung Süden eine volle Stunde später. Da der ICE garnicht so voll wirkt und ich, nachdem ich außen zwei Wägen entlanggegangen bin, einen leeren Eingangsbereich finde, in dem ich mich gut in eine Einstiegsstufe setzen kann, fahre ich also mit.

Bereits über zehn Minuten vor der Ankunft in Mannheim laut aktueller Onlineauskunft scheucht mich doch tatsächlich ein Bahnbediensteter hoch. Also nicht ein übernervöser Rentner, der Angst um seinen Anschluß hat, das kennt man ja, sondern der Herr Zugbegleiter. „Stehen Sie auf, die Leute wollen hier gleich raus, die fallen sonst ja noch über Sie.“ – Ich ärgere mich über mich selbst, daß ich ihn nicht nach seinem Namen gefragt und der lieben Bahn seinetwegen ne Mail geschrieben habe. Es ist ja nicht mein Arbeitgeber, der die Verantwortung dafür trägt, daß ich hier auf einer Türstufe sitze, sondern seiner, und es sind wie gesagt noch über zehn Minuten auf einer Strecke von einer halben Stunde Gesamtfahrzeit.

Aber es kommt besser: Der Zug bleibt in Mannheim stehen, weil er überfüllt sei. Nur: Ich habe mittlerweile einen regulären Sitzplatz. Der Platz neben mir, ebensowenig reserviert wie meiner, ist frei. Weitere Plätze im Waggon und der ganze Gang sind frei, nur im Einstiegsbereich stehen 2-3 Personen, die sich wohl nicht entscheiden können. Jeder, der am Zug außen entlang ginge, würde sehen, wie leer dieser Waggon ist. Das hindert den Zugchef nicht, mehrfach „an die Vernunft“ zu appellieren und „alle Fahrgäste ohne Reservierung“ zum Aussteigen aufzufordern. Hallo? Ich habe keine Reservierung, sitze aber auf einem nicht reservierten Platz in einem recht leeren Großraumabteil… Spätestens, als er ankündigt, widrigenfalls „verende“ der Zug hier, ist es nur noch meiner guten Erziehung zu verdanken, daß ich nicht selbst lautstark zur Lynchjustiz aufrufe.

Der Zug fährt irgendwann doch weiter. Jener, der mich von der Stufe scheuchte, kommt vorbei und erklärt den Jugendlichen im Sitz vor mir, der Zugchef habe „wohl einen schlechten Tag. Normalerweise müßte er außen am Zug entlanglaufen, dann sähe er ja, wie voll er ist, aber er hat sich wohl nur seinen Wagen angeschaut. Ich hab ihm durchgegeben, daß bei mir alles frei ist, aber wenn er in seinem Wagen nicht durch den Gang kommt, dann darf er aus Sicherheitsgründen den Zug anhalten, und das hat er getan“. Schlechte Tage hat jeder mal. Dann spätestens glaubt man aber seinen Kollegen und lässt sich von ihnen helfen.

Dieser Beitrag wurde unter Bahn veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.