Ballett: Kreationen

Bekanntlich bin ich ein großer Fan des Balletts des Badischen Staatstheaters, seit Birgit Keil 2003 dort eine energiesprühende hervorragend ausgebildete junge Compagnie an den Start gebracht hat. Heute nun gab es „Kreationen“, vier Stücke, die eigens für dieses Ensemble choreographiert wurden. Kurzgefasst: Wer sonst nie Ballett anschaut, sollte nicht grade mit diesem Programm beginnen.
Natürlich war es hervorragend. Wie immer. Und ich würde auch jederzeit ein weiteres Mal hineingehen. Aber es war meines Erachtens nicht das Beste, was diese Tänzerinnen und Tänzer auf die Bühne bringen können.

Den Anfang machen bilderreiche Eindrücke aus dem Leben Robert Schumanns unter dem Titel „Voice of Silence“ (warum die Titel alle englisch sind, weiß ich nicht). Der dreiundzwanzigjährige Choreograph Thiago Bordin hat schöne, verspielte Szenen gestellt, denen man sozusagen auch ohne Kenntnis des Programmheftes gut folgen konnte. Tanztechnisch anspruchsvoller erschien mir dann das zweite Stück, und wenn man sich den arg überreizten Gag mit den Vertikallamellen im Hintergrund wegdenkt (wohl eine Idee der Bühnenbildnerin Claudia Doderer), dann war „Strange Waters“ von Philip Taylor ein absolutes Highlight.

Nach der Pause kam dann sozusagen pflichtgemäß ein Stück („in the near distance“) von Terence Kohler, Birgit Keils gerade zweiundzwanzigjährigem Tanz- und Choreographiezögling. Es war, wie man ihn kennt: Sehr kreative Ideen, aber irgendwie alles noch nicht so ganz rund und ausgereift. Und tänzerisch teilweise etwas langweilig. Das vierte Stück dann („Tenebrae“) konnte mich garnicht überzeugen: Zu Musik von Carlo Gesualdo (1560-1613) ereignen sich Szenen in Kostümen, die irgendwie an die Westside Story erinnern und bodennahe Tänze, die an bestimmte Breakdancefiguren der Achtziger denken lassen. Aber vielleicht war ich da auch einfach schon etwas zu müde für den Kunstgenuß.

Und wie schon eingangs gesagt: Ich würde jederzeit wieder hingehen, denn auch wenn sich das hier jetzt eher wie eine negative Kritik liest: Das ist sie nur relativ zu dem, was ich von diesem Ballett gewöhnt bin. Die Truppe, die 2003 noch ob ihres jugendlichen Durchschnittsalters belächelt wurde, spielte sich in kürzester Zeit in die erste Liga vor.

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