Karlsruher Verkehrsbetriebe

Als ich 1991 nach Karlsruhe kam, war der Karlsruher Schienenverkehr grade am Expandieren. Nicht nur, daß ab 1992 die Zweisystemer fuhren (Linie „B“ nach Bretten). Nein, es gab auch wie selbstverständlich mindestens stündliche Fahrten auf allen Straßenbahnlinien, rund um die Uhr. Ich hab gelacht, als ich gehört hab, daß es in Berlin eine „Nachtruhe“ der Straßenbahn gibt. Aber: Diese Möglichkeit, jederzeit sicher, warm, trocken und leidlich komfortabel nach hause zu kommen, wurde in mehreren Schritten bis zur Unkenntlichkeit zusammengestrichen. Warum soll die „Stadt des Rechts“ sich auch attraktiv bspw. für Studierende darstellen? Sei’s drum, zumindest am Wochenende sollte man noch einigermaßen von A nach B kommen auch am späteren Abend. Dachte ich. Ich bin ja mittlerweile 46 und nicht mehr allzu oft nächtens unterwegs.

Wir hatten Firmenweihnachtsfeier, und ich wollte mit der 1 nach Durlach fahren, die um halb vier ab Marktplatz fährt. Da etwas Zeit war, lief ich von der Gartenhalle zunächst zum Marktplatz und dann bis vor zum Durlacher Tor und stieg erst dort zu. Ich sollte diese Haltestelle heute noch einmal wiedersehen . . .

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Medienzeitalter

Um das Jahr 1990 erfuhr ich von einem Projekt irgendeiner Landesbildstelle, Vorschulkinder an das Fernsehen und das Gesehen-Werden heranzuführen durch folgenden Versuchsaufbau: Die Kinder spielen, während sie sich selbst, aufgenommen durch eine Videokamera, auf einem Fernseher betrachten können. Eigentlich im Vergleich zum herkömmlichen Spiegel nur ein Pespektivwechsel und eben der Wegfall der Seitenvertauschung des Bildes, aber eben doch schon anders, weil dort, wo man das Bild sieht, nicht dort ist, wo die Kamera steht. Die kann zum Beispiel von oben filmen oder von einer anderen Seite des Raums, als Beobachteter muß man stärker abstrahieren. Die Übung sollte dem Erwerb von Medienkompetenz dienen.

Und als wir mit meiner Schulklasse in den 80ern in Bonn den Bundestag besichtigten, da verblüffte mich nachhaltig und bis heute, daß die meisten Sitze keine Tischfläche haben. Also keine Rede von Strom oder Netz, das war ja damals noch nicht so wichtig – aber daß da Menschen stundenlang sitzen und allenfalls Zeitunglesen können, weil sie keine Platte vor sich haben, auf der sie Schreibzeug ausbreiten könnten, das hat mich tief und unangenehm beeindruckt.
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Ende der Sondierungsgespräche

Ich hab keine Ahnung, welche Strategie dahintersteckt, daß die FDP sich gestern Abend verabschiedet hat – also ich nehme jetzt mal an, daß das mehr ist als trotziges Aufstampfen. Und im Falle von Neuwahlen mache ich meine Mitwirkung am Wahlkampf davon abhängig, daß ich verstehe und mittrage, was da für eine Mechanik erwartet wird.

Einmal mehr unsäglich ist erwartungsgemäß der ultrabraune Dr. Rülke. Wäre er repräsentativ für die FDP, wäre ich LÄNGST ausgetreten – der badenwürttembergischen FDP wünsche ich ja schon lange, daß sie aus dem Landtag fliegt und sich personell und ideell neu, freiheitlich, aufstellt. Ich zitiere aus Rülkes Pressemeldung: „Es hat sich abgezeichnet, dass sogar die CSU den massenhaften Nachzug von Flüchtlingsfamilien zulassen will. Sogar die CDU möchte zwischenzeitlich einer energiepolitischen Deindustralisierung Deutschlands zustimmen. CDU/CSU und Grüne fanden sich im gemeinsamen Willen, dem Automobil den Garaus zu machen.“

Ich kriege das Grundprinzip „Freiheit“ nicht unter einen Hut mit der Angst vor Zuwanderern, und ich bin felsenfest überzeugt, daß das Verbrennen fossiler Stoffe in absehbarer Zukunft Oldtimern vorbehalten sein wird. Wenn bestimmte Autohersteller partout weiterhin auf Raubbau an der Umwelt setzen, wenn in Deutschland eher die Post als ein LKW-Bauer sich über Elektrofahrzeuge Gedanken macht, dann gibt einem das Hinweise für den Aktienkauf oder die Wahl des Arbeitgebers. (Und nein, ich bin kein „Öko“, ich bin bspw. ein Freund der Kernenergie. Anderes Thema.)

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SPD Karlsruhe

Nur falls es jemand nicht gesehen hat: In Karlsruhe haben die Grünen mehr Zweitstimmen bekommen als die SPD.

Aus Mitleid daher hier etwas Platz für den Verlierer – der scheinbar meint, wenn er „.de“ hinter einen Slogan schreibt, würde er als Internetprofi wahrgenommen.

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Wahlergebnis – wie kommt denn das?

Ich versuch mich mal an einer Interpretation des Ergebnisses der Bundestagswahl von letztem Sonntag. Meiner Meinung nach haben da wesentlich drei Faktoren beigetragen. Ich versuch’s mal chronologisch:

  1. 1980 wurden in Karlsruhe die Grünen gegründet. 1983 kamen sie in den Bundestag – so weit, so unkritisch. Nischenparteien, die schwerpunktmäßig einzelne Themen besetzen oder einzelne Gruppen bedienen gab und gibt es immer mal wieder. Aber 1985 ging die SPD in Hessen eine Koalition mit den Grünen ein und machte damit eine Partei, die streckenweise die gleichen Wählergruppen wie die Sozialdemokraten bediente bzw. (damals) an deren linkem Rand fischte, salonfähig. Weiterlesen
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